Tetrapak Druck – Unkomplizierter Tiefdruck und kreatives Upcycling

Aufsicht auf Materialien und Werkzeuge für den Tetrapak Druck

Alte Drucktechniken sind zweifellos eine faszinierende Sache. Nicht ohne Grund sind die künstlerischen Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen von der deutschen UNESCO-Kommission 2018 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Leider erfordern die spannenden Techniken typischerweise spezielle Gerätschaften und besonderes Material. Außerdem das nötige Wissen und Erfahrung, die man sich durch eine dreijährige Ausbildung zum Drucker aneignet. Einige Varianten lassen sich aber mit etwas handwerklichem Geschick und alltäglichen Gegenständen, die fast jeder im Haushalt hat, umsetzen.

Zum Beispiel mit Tetra Paks und einer Nudelmaschine!

Der Tetrapak-Druck (auch bekannt als Milchtüten-Druck) ist eine simple Drucktechnik, die sich wunderbar zuhause anwenden lässt. Er funktioniert nach dem Prinzip des Tiefdrucks und eignet sich auch perfekt für Kinder! Obwohl einfach umzusetzen, eröffnet er dennoch vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Bevor wir jedoch kreativ werden, erklären wir Euch, was den Tiefdruck auszeichnet und geben Euch einen Einblick in seine Geschichte.


Wie funktioniert der Tiefdruck?

Schon der Name verrät, wie das Druckverfahren funktioniert. Die abzubildenden Elemente werden als Vertiefungen auf einer Druckplatte angelegt, indem man Material abträgt. Für den Druck wird später Farbe auf die gesamte Platte aufgetragen, die sich in den Rillen absetzt. Die überschüssige Farbe auf der glatten, unbearbeiteten Fläche wird im Anschluss wieder entfernt. Um die Farbe aus den Vertiefungen schließlich auf Papier zu bringen, werden Druckplatte und Papier in einer Druckpresse fest aufeinandergepresst. Der hohe Anpressdruck und die Adhäsionskräfte zwischen Farbe und Papier sorgen für die Farbübertragung.

Übrigens: Das Pendant zum Tiefdruck ist der Hochdruck. Bei letzterem sind die zu druckenden Elemente erhaben. Der Hochdruck ist das älteste Druckverfahren der Welt, seine Geschichte reicht bis in das 4. Jahrtausend vor Christus zurück. Mit dem Stempelverfahren wurden die ersten schriftlichen Überlieferungen der Menschheit in Ton und Wachs gedruckt. Das älteste erhaltene gedruckte Buch stammt aus dem Jahr 868. Mit dem Hochdruck per Druckerpresse revolutionierte Gutenberg im 15. Jahrhundert den modernen Buchdruck.


Die Geschichte der Tiefdruckverfahren

Auch Tiefdruckverfahren sind sehr alte Drucktechniken. Die ersten Tiefdrucke waren Kupferstiche und sind auf die Zeit um 1430 datiert. Für einen Kupferstich wurden die zu druckenden Linien aufwendig mit einem stählernen Grabstichel aus der Druckplatte herausgehoben. Aufgrund ihrer zeitintensiven Herstellung richteten sich Kupferstich-Werke vornehmlich an wohlhabende Aristokraten. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde dann die Tiefdrucktechnik der Kaltnadelradierung angewandt. Hier wurden die Linien mit einer spitzen Nadel in die Druckplatte eingeritzt.

Ein Meister des Kupferstichs war der Nürnberger Künstler Albrecht Dürer. Mit dem Einsatz der Ätz-Radierung entwickelte er die Technik zudem maßgeblich weiter. Er brachte eine dünne, säurebeständige Wachsschicht auf die Druckplatte auf. In diese ließen sich Zeichnungen nun wesentlich leichter einritzen. Das langwierige, anstrengende Herausheben war nicht länger nötig. Die Platte samt Wachs wurde dann in ein Säurebad gelegt. Durch die Reaktion der Säure mit dem Metall bildeten sich an den freigelegten Stellen Vertiefungen auf der Druckplatte.

Im 17. und 18. Jahrhundert nutzten Künstler wie Rembrandt, Lorrain und Tiepolo die Ätz-Radierung. Der trockene Kupferstich hingegen wurde vorwiegend zur Erstellung von Landkarten, zur Illustration von Büchern und zur Vervielfältigung bestehender Kunstwerke eingesetzt.

Mit der Entwicklung der Lithografie (Flachdruckverfahren) und der Fotografie im 19. Jahrhundert rückte der Tiefdruck mehrheitlich in den künstlerischen Bereich. Heute werden Tiefdruckverfahren wirtschaftlich nur für hohe Auflagen von mehr als rund 300.000 Exemplaren eingesetzt. Große Magazine wie der stern werden im Tiefdruck hergestellt, außerdem Verpackungen mit hoher Auflage, Etiketten und Banknoten.


Drucken mit dem Tetra Pak – Tiefdruck leicht gemacht

Der Tetrapak-Druck ist eine unkomplizierte Technik, um den Tiefdruck künstlerisch zuhause anzuwenden. Als Druckträger verwendet man den alubeschichteten Karton von Milchtüten und anderen Tetra Paks, etwa von passierten Tomaten oder Apfelmus. Die Motive werden auf die Innenseite der Verpackungen eingeritzt. Perfektes Upcycling!

Der Moment, in dem man die Druckplatte anhebt, ist jedes Mal ein Aha-Erlebnis.
So bereitet der Tetrapak-Druck auch Kindern besonders viel Freude!

Euch kribbelt es in den Fingern und Ihr wollte das Drucken mit dem Tetra Pak ausprobieren? Hier kommen Materialliste und Anleitung!

Materialliste

Flatlay der Materialien und Werkzeuge für den DIY Tiefdruck mit dem Tetra Pak
Für den DIY Tiefdruck mit dem Tetra Pak benötigt man nur wenige Dinge, die zum Großteil in jedem Haushalt vorhanden sind.
  • Alubeschichtete Tetra Paks
  • Schere
  • Backpapier
  • Pinsel
  • Küchenpapier
  • Zeitungspapier
  • Papier / Karton zum Bedrucken
  • Radiernadel & wasserlösliche Linoldruck-Farbe – beides erhältlich im Künstler-/Bastelbedarf
  • (Auflaufform)
  • (Handtuch)
  • Tipp: Für bessere Druckergebnisse könnt Ihr eine Nudelmaschine verwenden – dazu später mehr! Benötigt werden dann zusätzlich noch zwei Platten Bastelfilz.

Tetrapak-Druck – Anleitung

1) Entwerft Euer Druckmotiv

Zuerst überlegt Ihr Euch, welches Motiv Ihr drucken möchtet. Beachtet dabei, dass es nicht größer ist als die Fläche, die Ihr mit dem aufgeschnittenen Tetra Pak zur Verfügung habt. Für Euren ersten Druck sucht Ihr Euch am besten ein einfaches Motiv mit nicht zu vielen feinen Linien aus. Eure Idee zeichnet Ihr dann auf ein Stück Backpapier.

Achtung: Beachtet, dass Euer Motiv später seitenverkehrt gedruckt wird. Bei Zeichnungen ist das meist nicht relevant – solltet Ihr jedoch Textelemente einbauen, schreibt in Spiegelschrift!


2) Übertragt Eure Vorlage auf das Tetra Pak

Zuerst muss das Tetra Pak sauber ausgewaschen und abgetrocknet werden. Schneidet dann die aufgeschnittene Verpackung grob auf die Motivgröße zu und legt nun das Backpapier auf die alubeschichtete Innenseite. Mit einer Radiernadel zieht Ihr jetzt die Linien Eurer Zeichnung kräftig nach, sodass sie auf das Tetra Pak übertragen werden. Achtet darauf, dass Ihr ausreichend Druck ausübt und tiefe Rillen entstehen. Gleichzeitig sollte die Papierschicht auf der Außenseite nicht verletzt werden. Euer Druckträger ist nun fertig!


3) Druckt Euer Motiv auf Papier

Als nächstes bringt Ihr die Farbe auf Eure Druckplatte. Legt die Arbeitsfläche vorsichtshalber mit etwas Zeitungspapier aus. Mit einem Pinsel tragt Ihr Linoldruckfarbe in kreisenden Bewegungen auf das Tetra Pak auf. Achtet darauf, dass die Farbe in alle Rillen gelangt. Wenn Ihr fertig seid, wischt Ihr die überschüssige Farbe auf der erhabenen glatten Oberfläche mit einem Küchenpapier vorsichtig ab.

Jetzt folgt der spannendste Teil – es wird gedruckt! Drückt die Seite mit der Farbe beherzt auf Papier, Karton oder vorgefertigte Karten. Besonders gut eignen sich Aquarellpapier und Büttenpapier. Wir haben hier zum Drucken unsere Büttenkarten benutzt. Dabei ist es wichtig, dass nichts verrutscht. Anschließend nehmt Ihr den Druckträger vorsichtig wieder ab.


4) Verwendet eine Nudelmaschine als Tiefdruck-Presse

Nicht alle Druckergebnisse sind „perfekt“, dennoch verzaubern sie mit ihrer Einzigartigkeit.
Aus mehreren Abzügen lassen sich etwa tolle Collagen erstellen.

Wenn es mal flott gehen soll, oder Ihr gemeinsam mit Kindern kreativ sein möchtet, reicht das oben beschriebene Vorgehen meist aus. Allerdings kann es passieren, dass nicht alle Linien optimal auf das Papier übertragen werden – zum Beispiel bei detaillierten Motiven.

Um sämtliche Farbe aus den Vertiefungen auf Papier zu bringen, wird eine Druckpresse benötigt. Für Euer DIY-Projekt zuhause eignet sich eine Nudelmaschine dazu ideal!

Für das Drucken mit der Nudelmaschine legt Ihr euren Druckstapel am besten folgendermaßen an:
Die unterste Schicht bildet eine Lage Bastelfilz, auf die Ihr Küchenpapier legt. Darauf kommt das zu bedruckende Papier. Das Tetra Pak folgt mit der eingefärbten Seite nach unten. Schließlich schichtet Ihr noch einmal eine Lage Küchenpapier, anschließend Bastelfilz darauf. Alle Lagen schneidet Ihr entsprechend der Größe eurer Nudelmaschine zu. Die Druckplatte ist idealerweise etwas kleiner als die übrigen Schichten.

Den Druckstapel dreht man nun durch die Walzen der Nudelmaschine (wie eng die Walzen stehen, kann man an der Maschine einstellen – achtet darauf, dass ausreichend Druck ausgeübt wird).

Übrigens: Besonders, wenn Ihr Karton oder Karten bedrucken möchtet, ist es eventuell empfehlenswert, das Papier leicht zu durchfeuchten. So lässt es sich besser in die Vertiefungen des Druckträgers pressen und nimmt die Farbe leichter auf. Einfach kurz in eine mit Wasser gefüllte Auflaufform legen und mit dem Handtuch trocken tupfen. Wieviel Restfeuchte die richtige ist, findet man schnell durch etwas Herumprobieren heraus.


5) Veredelung Eurer Kunstwerke

Persönliche Signatur: Wie wäre es, Euren Tetrapak Druck zu signieren? Aus den Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachnamen kann man zum Beispiel ein persönliches Monogramm entwerfen. Üblich ist es, die Künstlersignatur in der unteren rechten Ecke zu platzieren. Da seitenverkehrt gedruckt wird, ergänzt man die Signatur in der Motiv-Vorlage unten links.

Seriendruck: Beim Drucken mit dem Tetra Pak können mehrere Abzüge von einer Druckplatte erstellt werden. So könnt Ihr eine kleine Serie drucken und die einzelnen Abzüge nummerieren. Fertigt man insgesamt fünf Abzüge eines Motivs (Gesamtauflage), wird der erste Abzug mit „1/5“ versehen – üblicherweise in der unteren linken Ecke.

Tetrapak Druck auf Büttenkarte mit Colorplan Briefumschlägen
Büttenkarten eignen sich ideal für den Tetrapak Druck. Mit Colorplan Umschlägen könnt Ihr anschließend Farbe ins Spiel bringen.

Wir finden, die Sommerferien bieten die perfekte Gelegenheit, den Tetrapak-Druck mit Euren Kindern auszuprobieren. Aber auch für sich selbst kann man mit der Drucktechnik neue kreative Möglichkeiten entdecken – vielleicht an einem lauen Sommerabend mit einem Glas Wein auf dem Balkon oder der Terrasse. Wie wäre es zum Beispiel, zur nächsten Grillparty per selbst gedruckter Karte einzuladen?

Wir sind gespannt auf Eure Tetrapak-Kunstwerke und freuen uns, wenn Ihr Eure Drucke mit uns teilt!

PS: Eine andere faszinierende DIY-Drucktechnik ist die Monotypie. Wie die funktioniert zeigen wir Euch hier.

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