Drucktechniken für zuhause: Unser Best of #printisnotdead

Drucktechniken für zuhause - Titelbild zu unserem Best of

„Print is not dead.“ – Das zeigt zum Beispiel die lebendige Community rund um das Open Press Project. Noch nicht von gehört? Dann wird es höchste Zeit, dass wir Euch aufgleisen – einfach weiterlesen. Natürlich verraten wir auch, was sich gerade ganz aktuell rund um die Mini-Presse so tut und wann neue Druckkunstwerke aus aller Welt bestaunt werden können.

Dem Handwerk wohnt ein besonderer Zauber inne und alte Drucktechniken sind eine faszinierende Sache. Ihre Geschichte reicht zurück in das 4. Jahrtausend vor Christus und sie führten Gutenberg
zu einer der bahnbrechendsten Erfindungen der Menschheit.

Was heute anders ist: Wir drucken nicht mehr, weil wir müssen, sondern weil wir wollen. Dabei können wir aus einer Fülle unkomplizierter Techniken für kreative DIYs schöpfen, die sich einfach und mit wenigen Mitteln umsetzen lassen. Seid Ihr bereit für unser Best-of Drucktechniken für zuhause?


Das Open Press Project & die Mini-Druckpresse

Gewöhnliche Druckpressen benötigen viel Platz, sind unerschwinglich teuer und befinden sich deshalb meist in privaten Werkstätten oder Institutionen. Um das Drucken mit der Presse zugänglicher zu machen, hat der Kölner Designer Martin Schneider 2018 während seines Studiums die weltweit erste 3D-gedruckte Mini-Presse entwickelt. Sie eignet sich für mehr als 20 (!) verschiedene Drucktechniken.

Als Open Source Projekt ist sie für jeden frei zugänglich und hat schnell große Begeisterung entfacht. Weil aber vielen Menschen keinen Zugang zu einem 3D-Drucker haben, ist Martin noch einen Schritt weitergegangen. Er holte sich seinen Partner Dominik Schmitz ins Boot und über eine Crowdfunding-Kampagne haben sie damit begonnen, fertige Mini-Pressen zum Kauf herzustellen.

Mittlerweile versenden die beiden ihre kleinen Kraftpakete von Köln aus in alle Welt. Und es ist eine große kreative Community rund um das Open Press Project entstanden. Zu ihrem internationalen Drucktauschevent, der Open Print Exchange, gab es mehr als 330 Einsendungen.

Was es mit der Open Print Exchange genau auf sich hat, erfahrt Ihr im Beitrag
Internationale Druckkunst aus der Mini-Presse – Das Open Press Project im Interview.

Aktuell läuft die zweite Ausgabe des Drucktauschevents und auf der ganzen Welt wird wieder zuhause mit der Mini-Presse gedruckt. Ab Mai 2023 könnt Ihr die Werke der Teilnehmer online auf openprintexchange.com sehen, im Juni erscheint der Katalog zum Drucktausch und ab August laufen die neuen Ausstellungen! Geplant sind unter anderem Den Bosch (NL), Aachen (DE) und Ausstellungen in England und Australien.

Ihr seht, rund um die Druckpresse im Miniaturformat ist eine bemerkenswerte Bewegung entstanden. Kein Wunder, denn die Mini-Presse macht einfach Spaß!

Vor ein paar Wochen haben wir mit ihr eine Pilzparty geschmissen.

Für unsere Drucke vom Waldpilz auf einem Mandel-Traubenbett haben wir Colorplan Amethyst, Citrine, Rust, Powder Green und Candy Pink mit Crush Grape, Almond, Olive und Corn sowie Graspapier in einen Topf geworfen. Aus den mehr als 20 möglichen Techniken, die sich mit der Mini-Presse umsetzen lassen, haben wir uns für den Linoldruck entschieden.


Viele Drucktechniken könnt Ihr aber auch ohne Druckpresse und mit einfachen Hilfsmitteln, von denen man fast alles im Haushalt hat, super leicht zuhause umsetzen.

Wir zeigen Euch unser Best of DIY Drucktechniken für zuhause:

Linoldruck

Bleiben wir gleich mal beim Linoldruck! Genau, auch wir mussten hierbei direkt an den Kunstunterricht in der Schule denken und haben uns vor unserem geistigen Auge mit der Platte in der Hand im Klassenzimmer gesehen. Und hatten wir da eine Presse stehen? Nein, denn für den Linolschnitt benötigt man keine Druckpresse. Das Motiv kann auch mittels Handabrieb auf das Papier übertragen werden.

Utensilien für Linoldruck mit passenden Karten und Umschlägen für DIY Grußkarten

Der Linoldruck ist eine Technik des Hochdrucks und damit des ältesten Druckverfahrens der Welt. Seine Geschichte reicht bis in das 4. Jahrtausend vor Christus zurück. Das mag jetzt auf den ersten Blick etwas einschüchternd klingen. Aber, per Linolschnitt kann man super leicht zuhause drucken. Die wenigen Materialien, die Ihr braucht, bekommt ihr günstig in Bastel- und Kreativläden. 

Im Artikel Linoldruck – Kinderleichtes Druckverfahren für zuhause findet Ihr Materialwissen, Hintergrund-Infos und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Eure ersten DIY Druckwerke. Dafür haben wir eine Motivkarte mit weißer Farbe auf unseren olivfarbenen Klappkarten der Papiersorte Crush gestaltet. Wir finden, die leicht raue Oberfläche des nachhaltigen Papiers passt perfekt zum charakteristischen Druckbild des Linoldrucks.

Wir haben den Positivschnitt verwendet, das heißt wir haben die nicht zu druckenden Flächen aus der Linoleumplatte rausgeschnitten. Die erhabenen Motivformen werden mit der Farbe abgebildet. Mit Linolplatten könnt Ihr aber auch Negativschnitte umsetzen. Dazu schneidet Ihr die Linien und Formen des Motivs aus der Linolplatte heraus.


Tetrapak Druck

Mit dem Stichwort „Negativschnitt“ sind wir beim Gegenspieler des Hochdrucks angelangt: Dem Tiefdruck. Hierbei werden die abzubildenden Elemente als Vertiefungen auf der Druckplatte angelegt, indem man Material abträgt. Beim Farbauftrag setzt sich die Farbe in den Rillen ab, die überschüssige Farbe auf der glatten, unbearbeiteten Fläche wird im Anschluss wieder entfernt. Um sie dann aus den Vertiefungen aufs Papier zu bringen, werden Druckplatte und Papier in einer Druckpresse fest aufeinandergepresst.

Das hört sich schon weniger nach DIY Drucken für zuhause an? Keineswegs! Die Lösung sind Tetrapaks und Nudelmaschine.

Aufsicht auf die Vorbereitung eines Tetrapak-Drucks mit der Nudelmaschine

Der Tetrapak Druck ist eine unkomplizierte Drucktechnik, mit der Ihr den Tiefdruck künstlerisch in den eigenen vier Wänden und mit dem, was der Haushalt hergibt, anwenden könnt. Alubeschichtete Kartons von Milchtüten und andere Tetrapaks dienen als Druckträger und die Nudelmaschine wird zur Druckpresse.

Mit den Verbundpackungen ersetzt Ihr die Metallplatte aus Stahl oder Kupfer – perfektes Upcycling! Die Motive werden mit einer Radiernadel auf die Innenseite der Tetrapaks eingeritzt. Beachtet dabei, dass sie beim Drucken spiegelverkehrt übertragen werden. Bei Bildmotiven ist das nicht immer relevant. Wenn Ihr allerdings Text platzieren wollt, denkt daran, dass Ihr in Spiegelschrift schreiben müsst.

Eine ausführliche Step-by-Step-Anleitung für den Milchtütendruck findet Ihr im Beitrag
Tetrapak Druck – Unkomplizierter Tiefdruck und kreatives Upcycling. Wir erklären Euch, wie Ihr Euer Druckergebnis mithilfe der Nudelmaschine perfektioniert und wie Ihr Euren Druckstapel am besten anlegt. Auch zur Veredelung Eurer Druckwerke haben wir ein paar Tipps zusammengestellt. 

Übrigens: Beim Drucken mit Tetra Paks könnt Ihr problemlos mehrere Abzüge von einer Druckplatte erstellen. So könnt Ihr Eure Ideen entfalten, Druckwerke adaptieren und zum Beispiel Kleinserien anfertigen.


Monotypie

Die letzte unserer drei DIY Drucktechniken für zuhause tanzt im Hinblick auf das für das Drucken eigentlich typische Vervielfältigen aus der Reihe. Bei der Monotypie entsteht nur ein einziges Bild. Wie der Name der Technik – auch Monoprint genannt – schon sagt, druckt Ihr hiermit Unikate, die sich nicht wiederholen lassen. Damit lässt sich das Verfahren nicht ganz eindeutig der herkömmlichen Drucktechnik zuordnen, hat so aber einen ganz besonderen Reiz.

Werkzeugübersicht für das Monotypie Druckverfahren.
Bei der Monotypie bestimmt nicht die Druckform das Ergebnis. Stattdessen gibt es unterschiedliche Wege, wie Ihr das Druckmotiv auf den Träger bringen könnt. Jede der Varianten führt zu einem anderen Ergebnis. Ihr könnt Euer Motiv zum Beispiel auf die Rückseite des zu bedruckenden Papiers malen, nachdem Ihr es mit der Vorderseite auf eine Farbfläche auf der Glasplatte gelegt habt. Auch freie Motive sind möglich – indem Ihr mit Fingern, Handrücken, Holzstäben und anderen Dingen über die Papierrückseite streift, entstehen interessante Abdrücke. Außerdem könnt Ihr bestimmte Motive einfärben, um sie zunächst auf die Glasplatte und in einem nächsten Schritt auf Euren Druckträger zu bringen. Das funktioniert zum Beispiel besonders gut mit getrockneten Pflanzen.

Ein dritter Weg ist der Monoprint mit einer Schablone. Hierbei wird die Farbe mit der Rolle direkt auf das Papier aufgetragen. Alle drei Varianten stellen wir Euch im Artikel Monotypie – Ein simples Druckverfahren für maximalen Spaß vor.

Ihr seht, Drucken bedeutet keineswegs, dass man komplizierte Techniken beherrschen, oder spezielle Gerätschaften zuhause haben muss.

Caution: Aus der kreativen Praxis zuhause kann dennoch etwas Großes entstehen! Entwickelt man viel Herzblut und Leidenschaft für das DIY Drucken, kann es passieren, dass die eigenen Wände zu eng werden. Nina Egli hat uns davon im Interview berichtet. Sie hat sich entschieden, das Drucken professionell in die Hand zu nehmen und erzählt von ihrem Weg zum eigenen Siebdruck-Atelier: Siebdruck von Jakob&Tatze – Für mehr Farbe im Leben.

Nina Egli tobt sich mittlerweile Vollzeit in ihrem Studio Jakob&Tatze in Frankfurt am Main aus. Foto ©koppiright_fotografie

An dieser Stelle sei also gesagt: Wir haben Euch gewarnt. 😉 Wenn Ihr (hoffentlich!) trotzdem tiefer in das Thema Drucktechniken für zuhause einsteigen wollt, können wir Euch weiterführend noch diese Produkte, Nachschlagewerke und Workshops wärmstens empfehlen. Und, Ihr wisst, was jetzt kommt – Wir freuen uns total, wenn Ihr unsere Drucktechniken für zuhause ausprobiert und Eure DIY Druckwerke auf Instagram mit uns teilt – #printisnotdead!


Ein Einstieg „light“ in die Welt des Druckens, ist das Stempeln. Wenn Ihr damit starten möchtet, schaut Euch mal die digitalen Schnitzvorlagen von Nadine Bieg (@konfettirausch) an. Mit ihnen könnt Ihr Eure ganz eigenen, individuellen Stempel selbst herstellen! Die Schnitzvorlage mit dem passenden Motto – „Nur Mut“ bekommt Ihr bei Newsletter-Anmeldung sogar als Freebie. Im Set gibt es digitale Schnitzvorlagen für das Alphabet und verschiedene saisonale Motive.


Michaela Müller (@müllerin_art) ist ein kreatives Multitalent, hat aber vor allem beim Thema DIY Drucken jede Menge Inspiration und Anleitung zu bieten. In ihrem Buch „Bunte Bücher“ lernt Ihr pro Kapitel jeweils ein Druckverfahren (und obendrauf sogar noch eine Buchbindetechnik) kennen. Sie reichen von simplen Techniken wie dem Stempeln, bis hin zu anspruchsvollen Verfahren wie dem Siebdruck. Die Anleitungen funktionieren perfekt als Baukasten, aus dem Ihr für Eure eigene Arbeitsweise beliebig kombinieren könnt.



Auch das Buch „In unsrer Küche wird weiter gedruckt“ von Laura Sofie Hantke und Lucas Grassmann vom @studiolula können wir Euch ans Herz legen. Nach drei Auflagen und fünf weiteren Jahren Druckerfahrung, ist im letzten Jahr das Update des Künstlerbuchs und Kreativratgebers erschienen. Mit ihm macht Ihr Eure Küche zum Kreativ-Atelier und lernt, wie Ihr mit haushaltsüblicher Alufolie und einfachen Mitteln künstlerische Kleinauflagen druckt.


Nina Egli veranstaltet auch Siebdruck-Workshops im @studio.jakobundtatze. Dort könnt Ihr Euch in ihre bunte Siebdruck-Welt stürzen und das Handwerk selbst ausprobieren. Es gibt sogar Workshops für Fortgeschrittene und neu – Workshop-Gutscheine zum Verschenken an kreative Freund:innen!


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