Künstlerportrait Frida Kahlo – Individualistin in persona und der Kunst

Titelbild zum Frida Kahlo Künstlerportrait

Im neuen Künstlerportrait schauen wir auf eine Frau, die zu einer Symbolfigur weiblicher Stärke geworden ist. Frida Kahlos Leben war geprägt von Leid und körperlichen Schmerzen. Gleichzeitig liebte sie das Leben, ging unbeirrt ihren Weg und fand ihr Heilmittel in der Malerei.

Auf der Leinwand entwickelte sie einen ganz individuellen und persönlichen Stil, losgelöst von den Fesseln einer einzelnen Kunstrichtung. Das Ergebnis sind Werke mit Wiedererkennungswert und großer Authentizität. Fast autobiografisch, sind sie untrennbar mit ihrem schillernden Leben verbunden.


Wer war Frida Kahlo?

Frida Kahlo (1907-1954) war eine mexikanische Malerin, die es als eine von wenigen lateinamerikanischen Künstler:innen international zu großer Bekanntheit geschafft hat. Ihre Werke wurden von der mexikanischen Regierung zum nationalen Kulturgut erklärt. Sie zeigen surrealistische Merkmale, sind aber vor allem eine Dokumentation ihrer Realität und ihres bewegten Lebens. 55 ihrer 143 Gemälde sind Selbstbildnisse. Mit ihnen hat Frida Kahlo es wie kaum jemand anderes geschafft, schmerzhafte Erfahrungen in faszinierende Kunst zu verwandeln.


Leben

Kindheit & Jugend

Magdalena Carmen Frieda (später ändert sie ihren Namen in Frida) Kahlo wird am 06. Juli 1907 in Coyoacan, Mexiko-Stadt geboren. Ihr Vater ist der deutsche Fotograf Carl Wilhelm Kahlo, der mit 18 Jahren nach Mexiko auswanderte. Mit seiner zweiten Frau Matilde Calderón y Gonzalez bekommt er drei seiner fünf Kinder, von denen Frida als letztes zur Welt kommt.

Schon ihre Kindheit ist geprägt von belastenden Krankengeschichten. Frida leidet an einer Fehlbildung der Wirbelsäule, mit sechs Jahren erkrankt sie an Kinderlähmung. Während der langen Genesung muss sie auf den Kontakt mit anderen Kindern verzichten und behält durch die Erkrankung ein verkürztes, schwächeres Bein zurück.

Portrait von Frida Kahlo im Alter von 12 Jahren, fotografiert 1919 von ihrem Vater Guillermo Kahlo.

Ab 1922 besucht Frida mit der Escuela Nacional Preparatoria eine der besten Schulen Mexikos. Sie gehört zu den ersten 35 zugelassenen Mädchen dort und beginnt Medizin zu studieren. Ihre Beteiligung an der regimekritischen Studentengruppe „Cachuchas“ fördert das politische Interesse und den rebellischen Geist der jungen Frau.


Leid & Malerei

Der 17. September 1925 stellt Frida Kahlos Leben unwiderruflich auf den Kopf. Sie wird Opfer eines Busunglücks, bei dem sie schwer verletzt wird. Eine Stahlstange durchbohrt ihr Becken und sie ist für lange Zeit ans Bett gefesselt, eingezwängt in Ganzkörpergips und Stahlkorsett. Zwar lernt die kämpferische Frida später entgegen allen medizinischen Prognosen wieder laufen, wird aber ihr ganzes Leben an den Folgen des schweren Unfalls leiden und kinderlos bleiben.

Im Krankenbett beginnt Frida Kahlo zum Zeitvertreib zu malen. Ihre Eltern bauen ihr eine besondere Staffelei, die sie liegend benutzen kann und arrangieren einen Spiegel über ihrem Kopf. Ein Jahr nach dem Unfall stellt sie ihr „Selbstbildnis mit Samtkleid“ fertig, das als erstes Werk ihres künstlerischen Schaffens angesehen wird.


Frida Kahlo & Diego Rivera

Erst ungefähr ein weiteres Jahr später ist Frida in der Lage das Bett zu verlassen. Sie knüpft wieder Kontakt zur Cachuchas-Gruppe und wird aktive Kommunistin. Unterwegs in den künstlerischen und politischen Kreisen von Mexiko-Stadt, lernt sie den 20 Jahre älteren Maler Diego Rivera kennen. Mit seinen riesigen politischen Wandbildern ist er eine der größten künstlerischen Berühmtheiten des Landes. Frida zeigt ihm kurzerhand ihre Bilder und fragt ihn, ob es in seinen Augen aussichtsreich wäre, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen.

Diego Rivera ist begeistert von ihrer Malerei und auch von Frida selbst. Schnell werden die beiden ein Liebespaar und heiraten 1929. Ihre gegenseitige Bewunderung und ihre gemeinsame Leidenschaft für die Politik und Malerei machen sie zu einem unzertrennlichen (Künstler-)paar. Ihre wilde Beziehung ist aber auch geprägt von der ständigen Untreue Riveras, der zwischenzeitlich sogar eine Affäre mit Fridas Schwester eingeht.

Frida Kahlo und Diego Rivera, fotografiert von Carl Van Vechten im März 1932.

Nach zehn Jahren Ehe lässt sich Frida von Diego scheiden, ein Jahr darauf heiraten sie erneut. Das Auf und Ab ihrer Liebesgeschichte wird neben ihren körperlichen Leiden und politischen Ansichten zu einem Hauptthema in Fridas Bildern. Gleichzeitig hat aber auch sie selbst mehrere Partner:innen und Affären neben der Beziehung mit Diego.


Ferne & Heimat

Zunächst wohnen Frida und Diego im ländlichen Cuernavaca, südlich von Mexiko-Stadt. Anfang der 30er Jahre gehen sie nach Amerika und leben in Detroit, San Francisco und New York. Während Diego an seinen Wandbildern arbeitet, widmet sich Frida ihrer eigenen Kunst. Als (welt-)offene, selbstbewusste Frau schließt sie viele Bekanntschaften. In San Francisco lernt sie den Chirurgen Dr. Leo Eloesser kennen, der bis zu ihrem Tod ihr engster medizinischer Betreuer sein wird.

1940 malt Frida Kahlo das „Selbstporträt, Dr. Eloesser gewidmet“. Die Banderole am unteren Bildrand zeigt ihre große Dankbarkeit:
„Ich malte mein Porträt im Jahr 1940 für Doktor Leo Eloesser, meinen Arzt und besten Freund. Mit all meiner Liebe. Frida Kahlo“.

Gleichzeitig vermisst Frida ihr Heimatland und identifiziert sich immer stärker mit ihren mexikanischen Wurzeln. Als sichtbares Zeichen beginnt sie, die traditionellen Kleider, den Schmuck und die typische Hochsteckfrisur mexikanischer Frauen zu tragen. So betont sie ihre indigene Herkunft öffentlich – zu dieser Zeit äußerst ungewöhnlich und mutig. Auch in ihrer Kunst nehmen mexikanische Elemente, Folklore und die Natur ihrer Heimat einen zentralen Platz ein.

Körperliche Schmerzen als Folgen des Unfalls sind ihr ständiger Begleiter. Frida erleidet außerdem mehrere Fehlgeburten und verarbeitet auch diese Erfahrungen in ihren Werken. Neben der Malerei helfen ihr Alkohol und Drogen mit den physischen und psychischen Schmerzen umzugehen.


Anerkennung als Malerin

1933 gehen Frida Kahlo und Diego Rivera zurück nach Mexiko und beziehen ein neues Haus in der schicken Nachbarschaft von San Angel. Mit zwei separaten Trakten, verbunden durch eine Überführung, steht es geradezu sinnbildlich für ihre Beziehung.

Fünf Jahre später entdeckt André Breton, der Begründer des Surrealismus, Fridas Werke bei einem Besuch in Mexiko-Stadt und ist fasziniert von ihnen. Sein Freund, der Kunsthändler Julien Levy, lädt Frida daraufhin ein, ihre Bilder in einer Galerie in New York zu zeigen. Sie reist allein an und genießt bei ihrer Ankunft großes mediales Interesse. Die Menschen sind fasziniert von ihrer exotischen, unkonventionellen Erscheinung und die Ausstellung wird ein Erfolg.

Einige Monate später geht Frida nach Paris, um dort mit den Surrealisten auszustellen. Nach einem weiteren Aufenthalt in New York kehrt sie zurück in ihre Heimat. 1940 sind ihre Werke auf der Internationalen Ausstellung der Surrealisten in Mexiko zu sehen.

Im Jahr darauf zieht sie mit Diego in die Casa Azul, das berühmte Blaue Haus in Coyoacán, in dem sie aufgewachsen ist. Sie genießt immer mehr Aufmerksamkeit als Malerin und erhält zwei Jahre später einen Lehrstuhl an der Kunstschule „La Esmeralda“. Dort lehrt sie gemeinsam mit ihrem Mann 10 Jahre lang.

1946 zeichnet das Kultusministerium Frida Kahlos Werk „Moses“ mit dem Nationalpreis für Malerei aus. Es soll aber noch sieben weitere Jahre dauern, bis sie endlich die Anerkennung bekommt, die sie sich schon lange gewünscht hat: Ihre Kunst wird erstmals in einer Einzelausstellung in ihrer Heimat gezeigt.

Ihre gesundheitliche Verfassung hatte sich bis zu diesem Tag immer weiter verschlechtert. Zahlreiche Operationen und Behandlungen zogen lange Klinikaufenthalte nach sich. Trotz der massiven Einschränkungen ließ sich Frida jedoch nie entmutigen; sie lehrte und malte weiter, bleibt politisch engagiert, um einen Beitrag für Freiheit und Frieden zu leisten.

Nach einer missglückten Operation ist sie ab 1950 an den Rollstuhl gefesselt und kann oft nur noch liegend malen. Zu ihrer Einzelausstellung lässt sich die Kämpfernatur auf einem Krankenbett bringen. Wenig später muss ihr rechter Unterschenkel amputiert werden. Im Jahr darauf leidet sie an einer Lungenentzündung, von der sie sich nicht mehr erholen wird.

Am 13. Juli 1954 stirbt Frida Kahlo mit 47 Jahren im Blauen Haus. Keine zwei Wochen nach ihrem letzten öffentlichen Auftritt bei einer politischen Demonstration.


Das künstlerische Werk von Frida Kahlo

Frida Kahlos Werk lässt sich nur schwer in eine Kategorie einordnen. Sie war eine Individualistin, auch in ihrer Kunst. Offiziellen Kunstrichtungen schenkt sie keine Beachtung, vielmehr nutzt sie die Malerei als persönliches Heilmittel, um ihre bewegende persönliche Geschichte zu dokumentieren und zu verarbeiten. Dabei schafft sie es wie kaum jemand anderes, Schicksalsschlägen und Leid in faszinierende Kunstwerke zu verwandeln.


Selbstbildnisse

Etwa zwei Drittel ihrer Werke sind Selbstporträts. In ihnen verarbeitet Frida Kahlo sowohl ihre Krankengeschichte als auch das Auf und Ab in der Ehe mit Diego Rivera. Sie scheut sich nicht, optische Merkmale überspitzt darzustellen. Damenbart und zusammengewachsene Augenbrauen werden zu einem unverwechselbaren Markenzeichen ihrer Selbstbildnisse. Ihr Leid und ihre weibliche Gefühlswelt stellt sie ohne Scham und Zugeständnisse dar, was sie für Frauen auf der ganzen Welt zur Vorbildfigur macht. Auch vor Tabuthemen, wie Fehlgeburten und Kinderlosigkeit, schreckt sie nicht zurück.


Patriotismus und politische Themen

In ihren Bildern vertritt Frida Kahlo stolz ihre mexikanische Identität. Ihre Herkunft und die Kultur ihres Landes haben für sie eine große Bedeutung. Immer wieder platziert sie folkloristische Elemente, traditionelle Symbole und Kleidung sowie lokale Flora und Fauna in ihren Motiven. Auch ihr politisches Engagement kommt in ihrer Kunst zum Ausdruck.

Frida Kahlo: „Stillleben mit Papagei“ (Öl auf Leinwand, 1951) zeigt eine Komposition landestypischer Früchte und den einheimischen Vogel in leuchtenden Farbtönen wie Orange, Rot, Blau und Grün.

Künstlerische Einflüsse

Üblicherweise wird Frida Kahlos Werk dem Surrealismus zugeordnet. Tatsächlich zeigen sich jedoch unterschiedliche Einflüsse in ihren Bildern und sie selbst widersprach der Zuordnung zu den Surrealisten vehement.

„Man hielt mich für eine Surrealistin. Das ist falsch. Ich malte niemals Träume. Was ich abbildete, war meine Wirklichkeit.“ – Frida Kahlo.

Auf erzählerische und autobiografische Weise hat Frida Kahlo ihre Lebenserfahrungen festgehalten. Im Hinblick darauf sind sie der realistischen Kunst zuzuordnen. Sie orientiert sich an realen Formen der Gegenstände und Figuren. Ihre Darstellungen übersteigert sie aber ins Phantastische und verwendetet in ihnen surrealistische Elemente, aus denen teils skurrile Kompositionen entstehen. 1925 wurde der Ausdruck „magischer Realismus“ für diese Art von Malerei eingeführt. Prägend für ihren Stil sind zudem volkstümliche Elemente, außerdem zeigt er Merkmale der Naiven Kunst, der Neuen Sachlichkeit und des Dadaismus. Entstanden ist eine ganz individuelle und besondere Bildsprache, die heute die Faszination für Frida Kahlos Kunst ausmacht.

Auch wenn Frida Kahlo in ihrer Kunst reichlich Leid und Schmerz verarbeitet, lassen sich aus vielen
ihrer Bilder farbenfrohe Papeterien ableiten, die pure Lebensfreude versprühen.
Das Werk „Viva la Vida“ ist die Inspiration für unsere Farbpalette im Juli.

Posthumer Erfolg

Nach ihrem Tod werden Frida Kahlos Bilder von der mexikanischen Regierung offiziell zum nationalen Kulturgut erklärt. Ihre Werke und ihre Geschichte zeugen von einem unangepassten, selbstbestimmten Leben und seit den 1970er Jahren gilt sie als Vorbild vieler Frauenrechtler:innen.

2006 erzielt ihr Ganzkörper-Selbstbildnis „Raíces“ einen Versteigerungserlös von 5,6 Millionen US-Dollar und war damit das bislang teuerste Werk der lateinamerikanischen Kunst. 2018 wird ein Gemälde von Diego Rivera für 9,76 Millionen Dollar verkauft. Drei Jahre später überflügelt Frida ihren Ehemann jedoch erneut: Das Selbstporträt „Diego und ich“ erzielt bei Sotheby’s einen Verkaufserlös von 34,9 Millionen US-Dollar. Das ist bis heute der mit Abstand höchste Preis für ein Bild lateinamerikanischer Künstler:innen.


Viva la Frida

In der modernen Popkultur ist Frida Kahlo präsenter als je zuvor. Ihre Kunst und ihre Biografie zeigen Selbstbestimmtheit, Stärke und Selbstbewusstsein. Sie gilt als eine Vorreiterin des Feminismus und ist auch für viele Menschen, die sich nur wenig mit Kunst beschäftigen, eine Ikone. Spätestens 2002 macht der Film „Frida“, eine Hollywood-Produktion mit Salma Hayek und Antonio Bandera in den Hauptrollen, sie in der breiten Öffentlichkeit bekannt.

Erst vor wenigen Wochen wurde bekanntgegeben, dass eine neue Serie – mit Unterstützung durch die Familie Kahlo persönlich – noch mehr Facetten ihrer schillernden und vielschichtigen Persönlichkeit zeigen soll.

Auch Bücher über Frida Kahlo gibt es viele. In „Frida“ überführt der französische Illustrator und Zeichner Benjamin Lacombe die vom Schicksal gebeutelte Malerin auf besonders kunstvolle Weise gemeinsam mit dem Autor Sébastien Perez in die Welt des 21. Jahrhunderts.

Man kann sich auf viele Arten mit Frida Kahlo beschäftigen, ihre Kunstwerke bekommt man im Original jedoch nur relativ schwer zu Gesicht. Zum einen umfasst ihr Œuvre nur insgesamt 144 Ölgemälde, zum anderen hat Diego Rivera veranlasst, dass der Großteil von Fridas Bildern Mexiko niemals verlassen darf. Sie befinden sich im Blauen Haus in Mexiko-Stadt, das seit 1958 als Frida-Kahlo-Museum betrieben wird.

Falls es Euch mal nach Mexiko-Stadt verschlägt, habt ihr die seltene Chance in der Casa Azul Originalwerke von Frida Kahlo zu sehen. Foto: Yael Bonilla, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Bonus-Tipp: Ihr könnt das Blaue Haus auch virtuell von zuhause auf einer Tour durch das Museo Frida Kahlo bei Google Arts & Culture erkunden!

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