Siebdruck von Jakob&Tatze – Für mehr Farbe im Leben

Es war im Spätsommer 2019. Da tauchte ein „Königsblau“ an unserem Instagram Horizont auf. Es war der Farbvorschlag von Nina Egli aka @jakobundtatze für einen Papiermix mit Altrosa. Den fanden wir super und haben ihn auch umgesetzt und gezeigt. (Königsblau mit Altrosa) Sieht man sich das Logo von Ninas Siebdruckstudio an, erklärt das einiges. Rosa und Königsblau ist aber bei Nina noch lange nicht alles. Sie treibt’s richtig bunt und hat ihrem Business „für mehr Farbe im Leben“ auf die Fahne geschrieben. Mit viel Amore, Pommes+Popcorn und jeder Menge Unternehmergeist ist Nina mit ihrem Atelier in dieser Mission unterwegs.

Wir fanden es nun endlich mal an der Zeit, uns mit Nina zu verabreden, um sie ein bisschen besser kennenzulernen. Worüber wir gesprochen haben, erfahrt ihr heute….

Zu allererst interessiert uns natürlich, wie Du überhaupt auf das gekommen bist, was Du tust: Wie und wann hast Du Deine Leidenschaft für den Siebdruck entdeckt?

Angefangen hat alles in meiner Ausbildung zur Grafikerin. Ich habe die Grafikfachklasse besucht, eine schulische Berufsausbildung in der Schweiz, und wir konnten uns in allen möglichen Kreativtechniken austoben.

Eine davon war der Siebdruck, dieser begeisterte mich sofort. Wie genial, dass ich all meine Designs plötzlich selbst von Hand auf Papier und Stoff bringen konnte – und das auch noch mit einem ziemlich professionellen Ergebnis! Das ist schon über acht Jahre her. Aber dieser Moment, wenn ich das Sieb anhebe und ein perfekter Druck erscheint, ist noch immer magisch.


Irgendwann kam dann ja mal der Moment, in dem Du Dich entschieden hast, das professionell zu machen. Wenn Du mal zurück spulst auf Anfang, was war Dein Plan als Du mit Jakob&Tatze gestartet bist?

Im Sommer 2019, mit der Schlüsselübergabe zu meinem eigenen Atelier, ging es so richtig los. Der Plan war, Siebdruck-Workshops zu geben: Für Menschen, die Lust haben, eine neue Kreativtechnik kennenzulernen. Für GestalterInnen, die selbst nicht das Knowhow und die Ausstattung haben, ihre Projekte im Siebdruck umzusetzen. Und später für Gruppen, die ihr Teamevent, den Geburtstag oder Junggesellinnenabschied mit einem besonderen Erlebnis feiern möchten.


Siebdruck Atelier Jakob und Tatze
Atelier Jakob&Tatze | Foto © koppiright_fotografie
Siebdruck Atelier Jakob und Tatze
Workshop mit Ela Wenner, FORMEN+NORMEN Designstudio, in Kooperation mit Sophia Kern Floraldesign

Das Atelier sollte aber auch ein Ort sein, an dem ich mich selbst kreativ und technisch weiterentwickeln kann. Denn natürlich wusste (und weiß) ich längst nicht alles über Siebdruck und muss noch Vieles lernen. Ob es verrückt war, trotzdem direkt Workshops anzubieten? Vielleicht. Aber solange das Bauchgefühl keine Einwände hat, ist mein Motto schon immer: Einfach machen.


Corporate Design des Siebdruck Ateliers Jakob und Tatze
Ihr Corporate Design hat Nina selbst entwickelt

Und aus heutiger Sicht? Wie sehr deckt sich Dein Plan mit der tatsächlichen Entwicklung?

Das Motto ist geblieben, der Plan hat sich komplett verändert – nicht zuletzt durch den Beginn der Pandemie. Auf einmal war es nicht mehr möglich, Workshops anzubieten. Durch die nebenberufliche Selbstständigkeit war ich glücklicherweise nicht in existentieller Not und hatte die Freiheit, mein Konzept neu zu denken: Ich hatte ein ungenutztes, voll ausgestattetes Siebdruckatelier und viel Zeit. Warum also nicht eigene Produkte entwickeln, drucken und verkaufen?


Nina Egli in ihrem Siebdruck Atelier
Nina ganz in ihrem Element | Foto ©koppiright_fotografie
Farbauftrag beim Siebdruck
Im Atelier Jakob&Tatze wird alles von Hand gedruckt
Siebdruck Produkte aus dem Atelier Jakob und Tatze
„Mr. Pencil“ ist ein Design der Illustratorin Jana Schell und durfte auch mit in den Pop-Up-Shop

Ich hatte mir inzwischen eine aktive Followerschaft auf Instagram aufgebaut und war zuversichtlich, dass ich sie für meine Ideen begeistern kann. In wenigen Wochen entwickelte ich meinen Pop-Up-Onlineshop mit einer kleinen, feinen Auswahl an bedruckten Textilien – allesamt entstanden in Kooperation mit unterschiedlichen Illustratorinnen. 10 Tage lang war der Shop geöffnet, danach habe ich erst das Material geordert und alle bestellten Teile produziert. Es war viel, viel mehr als erwartet, so dass ich wochenlang schwitzend im Atelier stand und die letzten Bestellungen erst knapp zwei Monate später verschicken konnte.


T-Shirts mit Siebdruck von Jakob und Tatze
Das Bestseller-Motiv aus dem Pop-Up-Shop stammt von der Designerin Suse Engel

Außerdem kamen vermehrt Anfragen für Druckaufträge, obwohl ich das gar nicht forciert hatte und eigentlich nie machen wollte. Aber mit der Erfahrung und der entsprechenden Ausstattung im Atelier ist auch das etwas, was mir inzwischen total Spaß macht.


T-Shirt mit Siebdruck
Druckprojekte in Kooperation mit Perlenfischer Design (links) und Turina Jewellery

Wie würdest Du den Weg bis hierhin beschreiben? Was waren die wichtigsten Meilensteine, Entscheidungen und Erkenntnisse?

Eine ganze Weile lang habe ich zuhause gedruckt – in einer 2-Zimmer-Wohnung wahrlich eine Herausforderung. Diese Drucke verkaufte ich auf Designmärkten. Mein Freund und sein Papa bauten mir einen Marktstand, den ich, mitsamt den ganzen Produkten, mit dem Rad zu den Märkten fahren konnte. Irgendwann merkte ich aber, dass mich das alles frustrierte: Ich konnte meine eigenen Zeichnungen nicht mehr sehen und die Drucke hatten nicht die Qualität, wie ich es mir wünschte. Die Verkäufe wurden weniger und die Wohnung ähnelte zu oft einer Werkstatt. Für manche wäre das vielleicht der Moment gewesen, zu sagen: Dann lasse ich das eben sein. Für mich war es der Moment, zu entscheiden: Dann mache ich es eben richtig!

Zu dem Zeitpunkt saß ich ja noch acht Stunden am Tag als Grafikerin vor dem Bildschirm – und merkte, dass mich das nicht erfüllt. Zum einen, weil ich das Handwerkliche als Ausgleich brauche. Zum andern weil ich es meist als ziemlich anstrengend empfinde, eigene Designs zu entwickeln, auch wenn das nach außen nicht so wirkt. Diese Erkenntnis war gar nicht so einfach für mich – hat aber wahnsinnig viel bewegt und war der Auslöser dazu, Workshops anzubieten. Die beste Quelle für kreative Köpfe, die selbst Ideen und Motive mitbringen.


Siebdruck aus dem Atelier Jakob und Tatze
Druckaktion bei der Eröffnungsfeier im Atelier Jakob&Tatze

Es brauchte danach noch viele Notizen, Gespräche und Gedanken aber ein Jahr später hatte ich meine Bürozeit um einen Tag die Woche reduziert, den Mietvertrag für meine Atelierfläche unterschrieben und angefangen, eine Website für mein erstes Angebot aufzubauen. Trotz vieler Recherchen wusste ich im Grunde nicht wirklich, ob es Bedarf gibt an Workshops und ob mir das dauerhaft Spaß machen würde. Aber es war wie so oft in meinem Leben bisher: Wenn ich von etwas überzeugt bin, mache ich mir keinen Plan-B. Ich schaue, was Plan A bereithält – wenn’s nicht passt, ändere ich ihn eben wieder.


Gibt es etwas, dass Du anderen, die ähnliches wie Du vorhaben, ans Herz legen möchtest?

Fang an, bevor du bereit bist. Versuch, auf dein Bauchgefühl zu hören und starte nebenberuflich, das gibt dir unheimlich viel Freiheit, um erstmal rauszufinden, was dein Weg sein könnte. Der große Plan muss nicht von Beginn an stehen. Erzähle von deiner Idee, tausche dich aus, zeig deine Begeisterung und rede auch ruhig mal drüber, wie schwer es manchmal ist und welche Gedanken du dir machst. Fehler machen ist okay und das ein oder andere Mal ein bisschen Geld verlieren auch. Und – hab Spaß! Es ist einfach unfassbar cool, eigene Sachen zu machen 🙂


Druckauftrag für die Designerin Nina Hüpen-Bestendonk aka Smaracuja

In allem, was von Dir zu sehen ist, sieht man die Leidenschaft, mit der Du das alles tust. Von der Postkarte bis zum T-Shirt. Trotzdem gibt es ja meistens etwas, was man besonders gerne macht. Was ist das bei Dir?

Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass für mich die größte Motivation ist, Ideen, Motive und Projekte von und mit anderen Kreativen weiterzuentwickeln. Sei es eine Illustration, die weit unten in einem Instagram-Feed schlummert, aus der ein heißgeliebter T-Shirt-Print werden könnte. Oder ein cooles Label, das gar nicht auf die Idee gekommen wäre, etwas mit Siebdruck zu machen, obwohl das richtig gut passt. Ich bin keine klassische Siebdruckerei; ich bringe mich aktiv in die Entwicklung mit ein, feiere die Ergebnisse mit meinen KooperationspartnerInnen, mache Fotos und Videos, die ich gerne mit meiner Community teile. Das macht mir wirklich Freude.


T-Shirt mit Siebdruck Motiv Der kleine Regenbogen
„Der kleine Regenbogen“, gedruckt im Auftrag der Designerin Sarah Gilgien | Foto © Marusia Luft

Und wie sieht Dein Blick nach vorne aus? Welchem Projekt siehst Du im Moment entgegen?

Es tut sich gerade ziemlich viel und ich glaube, die kommenden Monate werden sehr bunt und wild. Die dritte Pop-Up-Shoprunde startet Mitte April (16.–25.4.). Parallel tüftle ich erstmals Produkte aus, die ich nicht nur selbst bedrucke, sondern auch die Rohlinge nach meinen Vorstellungen herstellen lasse. Das ist ganz schön aufregend.

Und dann steht noch eine Sache an, vielleicht die verrückteste bisher: Aller Voraussicht nach wird Jakob&Tatze ab Mai mein Hauptjob! Das könnte komplett in die Hose gehen – aber auch richtig, richtig gut werden. Ich bleibe meinem Motto treu: Einfach machen. 🙂



Vielen, vielen Dank an Nina Egli, dass sie uns mit diesem Gespräch einen Blick in die wunderbare Welt von Jakob&Tatze gewährt hat. Wir lieben, wie Nina mit Fingerspitzengefühl Humor und Farben kombiniert. Wenn sie auf Instagram in Feed & Stories Neues aus dem Atelier mit uns teilt, sind wir immer ganz neugierig. Wir sind sicher, dass sie Euch genauso begeistert!


Über Nina Egli:


©koppiright_fotografie

Nina ist Grafikerin und Gründerin des Labels Jakob&Tatze.
Sie kommt aus der Schweiz.
Seit 2015 lebt und arbeitet sie in Frankfurt am Main.
Über sich selbst sagt sie: „Wäre ich ein Tier, wäre ich wohl eine Mischung aus Eichhörnchen und Fischotter, haha! Das Eichhörnchen steht für mich für meine sehr aufgeweckte, schnell-denkende Seite, immer auf der Suche nach neuen Projekten und ziemlich ungeduldig. Vom Fischotter habe ich die entspannte Gemütlichkeit. Der gleitet auf dem Rücken durchs Wasser, hält Händchen mit seinem Liebsten und hat immer was zu Knabbern in greifbarer Nähe. Beide Seiten trage ich in mir und die eine balanciert die andere jeweils aus. :)“

Webseite: www.jakobundtatze.de
Instagram: @jakobundtatze
Facebook: @JakobUndTatze

Fotos: Urheberin aller Fotos, soweit nicht anders angegeben, ist Nina Egli von Jakob&Tatze

Teilen Sie diesen Beitrag

2 thoughts on “Siebdruck von Jakob&Tatze – Für mehr Farbe im Leben

  1. Was für ein schönes Interview und was für ein liebevoll geschriebener Blogartikel. Und plötzlich taucht am Ende auch noch ein Bild mit meinem „Kleiner Regenbogen“ auf. 🌈💕

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.