Künstlerportrait Paul Klee – Meister der Form und der Farbe

Titelbild zum Paul Klee Künstlerportrait

Im neuen Künstlerportrait schauen wir auf einen visionären bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Mit großer Leidenschaft hat Paul Klee über eine lange Schaffenszeit das Wesen und die Wirkungsweise von Formen und Farben erforscht. Dabei gelang es ihm, den Gegensatz von figurativer und abstrakter Darstellung zu überwinden. Er revolutionierte die gängigen Grundsätze der Komposition und nahm so einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Modernen Kunst.


Wer war Paul Klee?

Paul Klee (1879-1940) war ein deutscher Maler und Grafiker, dessen vielseitiges Werk sich keiner bestimmten Stilrichtung zuordnen lässt. Es zeigt Einflüsse des Expressionismus, Konstruktivismus, Kubismus, Primitivismus und des Surrealismus und reicht von skurriler, satirischer und kindlicher Bildsprache, bis zu düsteren Darstellungen von Krieg und Tod. Die Entwicklung seiner Farb- und Formenlehre machte ihn zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Zeit.

Paul Klee stand in engem Kontakt zur Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ und unternahm mit August Macke und Louis Moilliet die kunstgeschichtlich bedeutsame Tunisreise. Als Formmeister war er eine der prägendsten Figuren am Bauhaus in Weimar. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten entstand in der Schweiz sein umfangreiches Spätwerk. Das Gesamtwerk von Paul Klee umfasst rund 9.000 Arbeiten.


Leben

Paul Klee, fotografiert von Hugo Erfurth im Jahr 1927 – Public Domain via Wikimedia Commons.

Kindheit, Jugend und Studienzeit

Paul Ernst Klee wird am 18. Dezember 1879 als zweites Kind des deutschen Musiklehrers Hans Wilhelm Klee und der schweizerischen Sängerin Ida Marie Klee in Münchenbuchsee bei Bern geboren. Seine Schulzeit verbringt er in der Hauptstadt. Durch sein Elternhaus entwickelt Paul Klee außerordentliche musikalische Fähigkeiten, die ihn bis an sein Lebensende begleiten und inspirieren.

Er interessiert sich außerdem für das Zeichnen und Dichten, seine Schulbücher und -hefte füllt er mit zahllosen Karikaturen. Nach der Matura zieht er nach München, um dort Kunst zu studieren. An der privaten Malschule von Heinrich Knirr studiert er zunächst Grafik. Bei Walter Ziegler lässt er sich in der Technik des Radierens und Ätzens ausbilden, bevor er 1900 für ein Jahr an die Kunstakademie in die Malklasse von Franz von Stuck wechselt. Im selben Jahr bezieht er sein erstes eigenes Atelier.

Ab Oktober des Folgejahres geht er mit dem Bildhauer Hermann Haller auf eine sechsmonatige Studienreise nach Italien. Die Renaissance-Architektur in Florenz, die Natureindrücke der Meeresfauna und -flora im Aquarium von Neapel und die gotischen Tafelmalereien von Siena beeinflussen seinen künstlerischen Ausdruck. Nach seiner Rückkehr lebt Paul Klee vier Jahre in seinem Elternhaus und verdient sein Geld als Geiger bei der Bernischen Musikgesellschaft. Parallel belegt er anatomische Kurse und setzt so seine künstlerische Ausbildung fort. Er befasst sich mit der Hinterglasmalerei und fertigt von 1903-1905 Radierungen an. Mit einem Zyklus aus zehn von ihnen tritt Paul Klee im Juni 1906 bei der „Internationalen Kunstausstellung des Vereins bildender Künstler Münchens, Secession‘“ zum ersten Mal als Künstler an die Öffentlichkeit.


München, Heirat und künstlerische Inspirationen

Im selben Jahr zieht Paul Klee nach München. Dort heiratet er die Pianistin Lily Stumpf, die er sieben Jahre zuvor kennengelernt hatte. Gut ein Jahr später kommt ihr Sohn Felix zur Welt. Während Lily den Lebensunterhalt der Familie mit Klavierunterricht verdient, kümmert sich Paul um Haushalt und Kind. Er wird Mitglied der Vereinigung Schweizerischer Graphiker „Die Walze“ und nimmt an Ausstellungen der Berliner und Münchener Secession teil.

Sein grafisches Werk nimmt zu dieser Zeit den größten Raum in Klees Kunst ein, die von sarkastischen, skurrilen und ironischen Darstellungen geprägt ist. Er wird Gründungsmitglied und Geschäftsführer der Münchener Künstlervereinigung „Sema“. Bald darauf lernt er August Macke, Franz Marc, Wassily Kandinsky und andere Künstler der Gruppe „Der Blaue Reiter“ kennen und schließt sich der Redaktionsgemeinschaft des Almanachs an. In der zweiten Ausstellung der Künstlervereinigung werden 17 grafische Arbeiten von Paul Klee gezeigt.

Im April 1912 reist Paul Klee mit seiner Frau nach Paris. Dort studiert er Werke von Georges Braque, André Derain, Henri Matisse und Pablo Picasso und lernt Robert Delaunay kennen. Die Bekanntschaft mit Delaunay und dessen abstrakte Fensterbilder inspirieren Klee und ändern sein Verständnis von Licht und Farbe grundlegend.


Tunisreise und Kriegsdienst

Im April 1914 unternimmt Paul Klee mit August Macke und Louis Moilliet eine dreiwöchige Studienreise nach Tunesien. Sie leitet ihn endgültig zur Malerei und wird als „Die Tunisreise“ in die Kunstgeschichte eingehen.

„Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“

– Aus Paul Klees Tagebuch.

Paul Klee: „Über ein Motiv aus Hammamet“ – Public Domain via Wikimedia Commons. Das Werk entsteht 1914 in Tunesien.

Klee und Macke erfahren starke Eindrücke von Farben, Formen und Licht, die ihr künstlerisches Schaffen an der Schwelle zur gegenstandslosen, abstrakten und modernen Kunst wesentlich beeinflussen. Viele Kunstgeschichtler:innen sehen in der Tunisreise die Überwindung des deutschen Expressionismus. Damit gilt sie als Schlüsselereignis in der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Von 1916-1918 leistet Paul Klee Kriegsdienst bei der bayrischen Armee. Während seine Freunde August Macke und Franc Marc fallen, wird Klee nicht an der Front eingesetzt und kann sogar außerhalb der Kaserne seine Malerei fortführen. Auf zwei Ausstellungen in Herwarth Waldens Sturm-Galerie werden abstrakte Aquarelle von ihm gezeigt, auf die der Kunstmarkt positiv reagiert. 1918 erreicht Paul Klee den künstlerischen und kommerziellen Durchbruch. Zwei Jahre später findet seine erste retrospektive Einzelausstellung mit 371 Gemälden, Aquarellen, Grafiken, Zeichnungen und Plastiken in der Galerie Goltz in München statt.

„Fenster und Dächer (gelb-rot)“ entsteht 1919, in einer Zeit in der Paul Klee mit seiner Kunst bemerkenswerte kommerzielle Erfolge feiern kann. Der Münchner Avantgarde-Galerist Hans Goltz übernimmt für ihn die Generalvertretung und den Verkauf seiner Werke.

Am Bauhaus in Weimar

Im Herbst 1920 bietet Walter Gropius Paul Klee eine Lehrtätigkeit am Staatlichen Bauhaus von Weimar an. Ein knappes Jahr später zieht Klees Familie fest dorthin und sein Sohn Felix wird mit 14 Jahren der damals jüngste Bauhausschüler. Währenddessen werden seine Werke erstmals in den USA gezeigt. Am Bauhaus übernimmt er die Werkstatt für Gold-, Silber- und Kupferschmiede, außerdem die Werkstatt für Glasmalerei, nachdem er davor als Werkstattmeister für Buchbinderei tätig war. Wassily Kandinsky folgt ihm an das Bauhaus. Im Februar 1923 zeigt die Nationalgalerie in Berlin die bisher zweitgrößte Einzelausstellung von Klee mit 270 Werken. Im selben Jahr wird das Bauhaus umstrukturiert und Paul Klees Formlehre wird fester Bestandteil der Grundausbildung. Er übernimmt zudem die Werkstatt für Weberei.


Die Blaue Vier, Surrealistenausstellung und Umzug nach Dessau

Im Januar 1924 wird in New York die erste Einzelausstellung Klees in den USA eröffnet. Wenig später gründet er gemeinsam mit Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Alexej von Jawlensky im Andenken an den Blauen Reiter die Künstlergruppe „Die Blaue Vier“ in Weimar. Der Zusammenschluss stellt im Bauhaus-Umfeld und vor allem in den USA aus. Im Herbst 1925 werden 39 Aquarelle von Klee auf seiner ersten Einzelausstellung in Frankreich in der Galerie Vavin-Raspail gezeigt. Zwei seiner Werke werden direkt im Anschluss auf der ersten Ausstellung der Surrealisten in der Pariser Galerie Pierre ausgestellt.

1925 wird das Bauhaus in Weimar auf politischen Druck hin aufgelöst. Gut ein Jahr später eröffnet das Bauhaus Dessau und Paul Klee wird Leiter der freien plastischen und malerischen Gestaltung, der freien Malklasse und der Gestaltungslehre in der Weberei. Im Zentrum seiner Lehre steht die bildnerische Form- und Farbenlehre.


Ägyptenreise, Konflikte am Bauhaus und Professur in Düsseldorf

Über den Jahreswechsel 1928/29 reist Paul Klee ein zweites Mal in den Orient. Vier Wochen studiert er in Ägypten das Licht, die Landschaft und monumentale Bauwerke. Seine Eindrücke sind weniger tiefgreifend als auf seiner Tunisreise, der Aufenthalt inspiriert ihn aber zu neuen geometrisch aufgebauten Darstellungen.

Gropius war mittlerweile als Bauhaus-Direktor zurückgetreten und durch den aufkommenden Nationalsozialismus wird politischer Druck auf die Institution ausgeübt. Es kommt zu Konflikten zwischen angewandten und freien Künstlern wie Klee. Er kann seine persönlichen Vorstellungen nicht mehr in Einklang mit den Zielen des Bauhauses bringen.

Im Sommer 1931 wechselt Paul Klee an die Kunstakademie Düsseldorf und wird dort Professor für Maltechnik. Nach der Machtübernahm der Nationalsozialisten muss der Schweizer einen Ariernachweis erbringen. Klee wird als politisch unzuverlässig und als entarteter Künstler eingestuft, sodass er seine Professur an der Akademie bereits nach zwei Jahren niederlegen muss.


Rückkehr in die Schweiz und letzte Jahre

Mit seiner Frau zieht Paul Klee an Weihnachten 1933 zurück nach Bern. Zwei Jahre später zeigen die Kunsthallen von Bern und Basel eine Retrospektive seiner Werke. Im November erkrankt Paul Klee an Sklerodermie, einer unheilbaren rheumatischen Autoimmunerkrankung.

Durch die Diagnose stagniert seine Kunst in den folgenden zwei Jahren. Ab dem Frühjahr 1937 malt er jedoch noch einmal mit großer Produktivität. Indem er zum Beispiel größere Pinsel verwendet, kompensiert er seine Einschränkungen und schafft es auch, sich Ausdrucksformen wie Bleistift-, Kreide- und Tuschezeichnungen zu bedienen. Dennoch, in vielen Bildern spiegelt sich das Leid seiner langen Krankheit wider.

Eines der letzten Werke von Paul Klee ist „Tod und Feuer“ (1940) – Public Domain via Wikimedia Commons. Das Wort „Tod“ tritt an mehreren Stellen in Erscheinung.

Paul Klees Kunst wird in der Schweiz kritisch überprüft, da sie mit linker Politik in Verbindung gebracht wird. In Deutschland werden seine Werke weiter der entarteten Kunst zugeordnet und müssen ins Ausland verkauft werden. Viele von ihnen gehen in die USA. Im Februar 1940 eröffnet im Kunsthaus Zürich mit der Jubiläumschau „Paul Klee. Neue Werke“ die einzige, vom Künstler selbst konzipierte, Ausstellung seines Spätwerks. Bald darauf verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Sechzigjährigen, sodass er im Mai einen Kuraufenthalt im Tessin beginnt. Am 29. Juni 1940 stirbt Paul Klee dort in einer Klinik.


Das künstlerische Werk von Paul Klee

Frühwerk

Paul Klee studiert in München zunächst Grafik an der privaten Malschule von Heinrich Knirr, anschließend lässt er sich von Walter Ziegler im Radieren und Ätzen ausbilden. Sein erster bedeutender Werkzyklus entsteht ab 1903. Die Radierungen „Inventionen“ zeigen Fantasiefiguren, deren Bedeutung durch ihre Umgebung gesteigert wird. Der Zyklus gilt als ein frühes Werk des Symbolismus.
Paul Klee: „Inventionen Nr. 3, Jungfrau im Baum“ (1903)
Public Domain via Wikimedia Commons.

Klee beschäftigt sich außerdem mit der Hinterglasmalerei. Die Glasscheiben malt er Schwarz an und entwickelt eine Kratztechnik, mit der er Linien in die Farbe zieht. So entstehen knapp 50 Hinterglasbilder, die er zum Teil als Negative für Fotogramme nutzt.

Vorrangig widmet sich Paul Klee in seiner frühen Schaffensphase jedoch grafischen Arbeiten. Ab 1908 ist er Mitglied der Vereinigung Schweizerischer Graphiker die „Die Walze“. Seine Werke sind geprägt von skurrilen, ironischen und oft sarkastischen Darstellungen. 1911 illustriert er die satirische Novelle „Candide“ des französischen Philosophen Voltaire.


Inspirationen

Nachdem Paul Klee Inspiration in den Werken von Cézanne und Matisse findet, soll ihn vor allem Robert Delaunay wesentlich beeinflussen. Dieser führt ihn in seinem Atelier in Paris in seine Theorie zu Licht und Farbe ein. Das abstrakte Formdasein von Delaunays Fensterbildern, die ohne Motive aus der Natur auskommen, begeistert Klee. Zurück in Deutschland übersetzt er Delaunays Aufsatz „Über das Licht (La Lumière)“ für die Kunstzeitschrift „Der Sturm“. Sein Verständnis von Licht und Farbe ändert sich grundlegend und er beginnt, die Anregungen von Delaunay in seinen Bildern umzusetzen. Er arbeitet mit mehr Farbe, Kontrasten und Tonunterschieden und erweitert sein Spektrum um abstrahierte Strukturen. Die völlige Auflösung des Bildgegenstandes, wie er sie in kubistischen Werken von Pablo Picasso und Georges Braque kennenlernt, lehnt er jedoch ab.


Die Offenbarungen der Tunisreise und der Erste Weltkrieg

Den bedeutendsten Einfluss auf Paul Klees Werk hat die Tunisreise, die er 1914 mit Moilliet und Macke unternimmt. Das Licht des Südens und die Farben des Orients hinterlassen einen über-wältigenden Eindruck auf den Maler. Die Landschaft inspiriert ihn zu freien Kompositionen, die er mit abstrakten Farbflächen füllt. Er findet die Formen und Farben, nach denen er so lange gesucht hatte. 

Die Tunisreise leitet Paul Klee auch zu seiner charakteristischen Kompositionsweise. Er legt Netze von geometrischen Formen auf seine Bilder, die er mit leuchtenden, kontrastreichen Farbwerten befüllt. Er macht sie nur durch wenige Zusätze als Architektur- oder Landschaftsformen kenntlich und erreicht so einen immer größeren Abstraktionsgrad, der subjektive Assoziationen vermitteln soll. Diese Darstellungsweise wird zur Essenz von Paul Klees Malkunst.

Während des Ersten Weltkriegs fertigt Klee rund 380 Zeichnungen, Aquarellbilder und Druckgrafiken, die sich mit seinem Alltag im Kriegsdienst beschäftigen. Die Abstraktion ist für ihn die einzig adäquate Bildsprache im Krieg. Seine symbolisch aufgeladenen Werke transportieren Angst, Zerstörung und Tod. Die Menschen finden sich in seinen Bildern wieder und sie werden vom Kunstmarkt positiv aufgenommen.


Formmeister am Bauhaus

Über mehrere Jahre entwickelt Paul Klee mit hoher Produktivität und Leidenschaft seine Farb- und Formenlehre weiter. Seine malerische und grafische Ausdrucksweise und seine theoretischen Schriften hinterlassen großen Eindruck. 1920 gilt er als einer der bedeutendsten Künstler am modernen Kunstmarkt. Sein Erfolg wird gekrönt, als Walter Gropius, der Direktor des neu gegründeten Staatlichen Bauhaus Weimar, ihm eine Lehrtätigkeit an der modernsten Kunsthochschule Deutschlands anbietet.

Das Bauhaus
Das Bauhaus entstand 1919 in Weimar und wurde zu einer der mächtigsten Design-, Kunst- und Architekturschulen der Moderne. Seine Art und Konzeption war etwas völlig Neues: Das Bauhaus führte Kunst und Handwerk zusammen, um – losgelöst von der Industrialisierung – das Kunsthandwerk wiederzubeleben. Der Status des Bauhauses manifestierte sich durch zahlreiche berühmte Dozenten wie Feininger, Itten, Marcks, Klee, Albers, Breuer und Kandinsky. Es bestand bis 1933 in Weimar, Dessau und Berlin und gilt als die Wiege der Avantgarde und Klassischen Moderne. Die Ideen und Entwürfe, die am Bauhaus entstanden, waren ihrer Zeit weit voraus. Bauhaus bezeichnet jedoch keinen konkreten Kunststil, sondern wurde geprägt durch das Zusammenkommen von Künstler:innen unterschiedlicher Stile, die ein gemeinsames Ziel verfolgten.

Paul Klee wird zu einer der prägendsten Figuren am Bauhaus. Er ist als Dozent und Leiter in unterschiedlichsten Werkstätten tätig, in der Gestaltungslehre wird seine Farb- und Formlehre elementarer Bestandteil des Vorkurses. Indem er zahllosen Studierenden seine grundlegenden Prinzipien der Gestaltung vermittelt, hat er großen Einfluss auf die jungen Künstler seiner Zeit.

Tipp: Seine Manuskripte zur Gestaltungslehre wurden vom Zentrum Paul Klee in Bern in einer Online-Datenbank zusammengetragen. Dort könnt Ihr neben dem Buch „Beiträge zur bildnerischen Formlehre“ rund 3.900 Seiten handschriftliche Unterrichtsnotizen von Paul Klee ansehen und in Klarschrift nachlesen!

Fünf Jahre nach Beginn seiner Lehrtätigkeit zieht Klee mit dem Bauhaus nach Dessau um. Insgesamt unterrichtet er zehn Jahre an der Kunsthochschule. Zu den bekannten Werken aus dieser Zeit zählen „Betroffener Ort“ (1922), „Die Zwitscher-Maschine“ (1922), „Der Goldfisch“ (1925), „Katze und Vogel“ (1928) sowie „Hauptweg und Nebenwege“ (1929). Durch kombinierte Maltechniken und Variationen des Maluntergrunds erreicht er immer neue Farbeffekte und Bildwirkungen.

„Der Goldfisch“ (1925) entsteht während Paul Klees Anstellung am Bauhaus. Wir haben die Postkarte mit dem Kunstdruck des Werks mit Colorplan Sorbet Yellow, Bright Red, Cobalt und Imperial Blue gerahmt.

Eine Reise nach Ägypten über den Jahreswechsel 1928/29 führt Paul Klee zu einer Reihe neue Bilder. Die Proportions- und Konstruktionsgesetze der epochalen Denkmäler des Landes inspirieren ihn zu geometrisch-mathematischen Streifenkompositionen. Er bildet Netzwerke aus Linien, die in geometrischen Formen münden und ergänzt hieroglyphische Zeichen. Zu den Werken der Ägyptenreise zählt zum Beispiel das Ölgemälde „Necropolis“, das Pyramiden in gebänderten Schichten aus starken Farben übereinandergesetzt darstellt. Nach seiner Rückkehr malt Klee die geometrisch aufgebaute Komposition „Feuer am Abend“, die sich durch eine bestechende Farbintensität auszeichnet.

Auch in Klees Werken mit heimischer Motivinspiration zeigt sich eine besondere Farbigkeit. Das „Winterbild“ von 1930 ist voller Kontraste: Helle und dunkle, farbige und weiße Flächen wechseln sich ab und erzeugen so einen einzigartigen Charme.

Pointillismus

Gegen Ende seiner Lehrtätigkeit findet Paul Klee immer weniger Zeit für seine eigene Kunst. Am Bauhaus kommt es zu Konflikten und als ihm der Direktor der Kunstakademie Düsseldorf bessere Arbeitsbedingungen anbietet, nimmt Klee 1931 dort eine Professur an. In Düsseldorf entwickelt er einen neuen Stil, den er als Pointillieren bezeichnet. Seine typischen Farb-Licht-Räume konstruiert er nun, indem er Farbpunkte raster- oder mosaikartig aufträgt. Hinzu kommt ein spannungsreiches Wechselspiel von Punkt und Linie. Während klassische Pointillisten jeden Punkt in die Spektralfarben zerlegten und präzise malten, stempelt Klee seine bunten Farbteppiche.

In rund 70 Aquarellbildern und Gemälden führt er seine zehnjährige Beschäftigung mit der Farbenlehre am Bauhaus zu einem neuen Höhepunkt. Und er kommt seinem Ziel, reine Farben als Mittel der bildnerischen Flächen- und Raumgestaltung einzusetzen und miteinander in Beziehung zu bringen, noch einen weiteren Schritt näher.

Als berühmtestes Werk aus dieser Zeit gilt „Ad Parnassum“ (1932). Paul Klee malt es mit Kasein- und Ölfarben in einem aufwendigen und mehrschichtigen Prozess. – Public Domain via Wikimedia Commons.

Spätwerk

Zurück in der Schweiz hat Paul Klee mit Einschränkungen durch den Ausbruch seiner Krankheit zu kämpfen. Er kann zunächst nicht im gewohnten Umfang weiterarbeiten und ihm wird die Vergänglichkeit des Lebens bewusst. Darauf reagiert er mit einem unbändigen Schöpfungswillen. Das Jahr vor seinem Tod wird sein produktivstes Jahr überhaupt und er schafft 1.254 Werke.

Seine Motive sind inspiriert von ambivalenten Themen wie politischen Erfahrungen und seinem persönlichen Schicksal, zeigen aber auch Witz. Die „Revolution des Viadukts“ (1937), das als Klees Beitrag zur antifaschistischen Kunst gilt, zählt zu den bekanntesten Bildern seines Spätwerks.

Er wendet sich wieder mehr der figurativen Kunst zu und malt rund 80 Engelmotive als Ausdruck seines persönlichen Schicksals. Sie repräsentieren den Übergang zwischen irdischer und überirdischer Existenz. In weiteren Werken werden seine feinen Linien von balkenartigen schwarzen Zeichen, schwebenden Elementen und Hieroglyphen abgelöst. Leuchtende Bildgründe sorgen für starke Kontraste. Seine späten Werke werden vor allem in den USA bekannt und beeinflussen dort die Avantgarde der 1940er Jahre.


Paul Klee erleben

Im Zentrum Paul Klee in Bern

Die größte Sammlung an Originalwerken von Paul Klee könnt Ihr im Zentrum Paul Klee in Bern besuchen. Es wurde 2005 von Renzo Piano erbaut. Allein die wellenförmige Stahl- und Glaskonstruktion des italienischen Stararchitekten ist schon einen Besuch wert. Der Museumsbestand reicht von Aquarellen bis zu Zeichnungen und umfasst rund 4.000 Werke. Ihr könnt unter anderem „Fischzauber“, „Vergesslicher Engel“, „Paukenspieler“, „Insula Dulcamara“ und das ikonische „Ad Parnassum“ bestaunen. Ausstellungen mit wechselnden Schwerpunkten zeigen immer wieder neue, oft auch ungewohnte Sichten auf das Leben und Werk des Künstlers.  

Im Film „Die Stille des Engels“

Der Dokumentarfilm von Michael Gaumnitz (2005) führt – ausgehend von den Schriften, dem Leben und den Werken Paul Klees – mitten hinein in das poetische Universum des visionären Künstlers. Ihr könnt Euch „Die Stille des Engels“ unter anderem (kostenpflichtig) bei Amazon ansehen.

In der Dokumentation „Paul Klee und das Bauhaus“

Auf dem KunstSpektrum Youtube-Kanal könnt Ihr Euch kostenfrei die Dokumentation „Paul Klee und das Bauhaus“ ansehen. Sie erzählt von seinem Weg zur Kunsthochschule in Weimar, dem revolutionären Konzept und Schaffen am Bauhaus und den visionären Köpfen der Institution.


Unsere Farbpalette zu Paul Klee

In der Vorweihnachtszeit hat uns besonders die Farbpalette von Paul Klee in seinem Werk „Rote Säulen vorbeiziehend“ inspiriert. Wir nehmen das Gemälde unter die Lupe und beschreiten seine bunten Farbfelder. Entstanden ist daraus eine kraftvolle Color Palette für eine farbenfrohe Papeterie.


PS: Die namensgebenden Elemente des Werkes haben uns an die roten Stumpenkerzen erinnert, die man in der Weihnachtszeit auf den Adventskranz steckt. Daraus entstanden ist ein schnelles DIY für eine super leichte und gelingsichere Weihnachtskarte. Wenn Ihr Euren Liebsten morgen noch Last-Minute eine Freude mit selbstgemachten Karten zu Weihnachten machen möchtet – there you go! 🙂

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