Die Farbpalette von Franz Marc im Werk „Bison im Winter“

Papiermix in der Farbpalette von Franz Marc im Werk "Bison im Winter" mit Kunstpostkarte des Gemäldes

In der Farbpalette von Franz Marc im Werk „Bison im Winter“ könnt Ihr heute mit uns Farben auf eine neue Weise erleben. Das Ölgemälde des Expressionisten ist die Vorlage für unsere Farbpalette im Februar. Im Blogbeitrag tauchen wir mit Euch in die Wahrnehmung von Farbe ein, wie Franz Marc sie gesehen hat. Dem Expressionisten ging es darum von einer Weltanschauung zu einer Weltdurchschauung jenseits der „Buntheit der Welt“ zu gelangen. Farben sind also nicht bloß Farben, genauso wie Tiere nicht bloß Tiere sind. Wir versuchen mit Euch zu erkennen, was Franz Marc uns im seinem „Bison im Winter“ tatsächlich schauen lässt. Ihr seht außerdem, wie Ihr die Colorpalette aus dem Werk in einer Papeterie umsetzen könnt. Bereit für Franz Marc? Dann geht’s jetzt los.


Es gibt keine „Gegenstände“ und keine „Farbe“ in der Kunst, sondern nur „Ausdruck“.

– Franz Marc

Franz Marc gehört zu den bedeutendsten Künstlern des Expressionismus. Nicht zuletzt durch seine farbenfrohen Tiermotive ist der deutsche Maler weltbekannt. Bevor wir uns seine Motivation für die Malerei von Bisons, Pferden und Kühen anschauen, kommen hier erst einmal die Fakten für Euch.


Wer ist Franz Marc?

  • Franz Moritz Wilhelm Marc wird am 8. Februar 1880 in München als Kind des Malers Wilhelm Marc und seiner Frau Sophie geboren.
  • Den ursprünglichen Wunsch, Pfarrer zu werden, verwirft er und studiert 1899 an der Philosophischen Fakultät der Universität in München und ein Jahr später an der Königlich Bayerischen Akademie in München um Gymnasialprofessor zu werden.
  • Während einer Frankreichreise lernt er 1903 die Werke der französischen Maler Gustave Courbet und Eugène Delacroix kennen.
  • 1904 bezieht er ein Atelier in Schwabing und begibt sich in eine unglückliche Beziehung mit der verheirateten Malerin Annette von Eckardt. Aufkommende Melancholie und künstlerische Selbstzweifel will Marc auf einer Reise nach Griechenland abschütteln.
  • Franz Marc lebt in einer Dreiecksbeziehung mit den Malerinnen Maria Franck und Marie Schnür. 1907 heiratet er Marie Schnür und reist am Abend der Hochzeit ohne seine Frau nach Paris. Die Ehe wird im folgenden Jahr geschieden. Maria Franck wird später seine zweite Ehefrau.
  • Auf seiner Reise nach Paris begeistern ihn die Werke von Van Gogh und Paul Gauguin. Marcs Farbpalette wird zunehmend heller. Mit Tieranatomie-Zeichnungen verdient er seinen Lebensunterhalt.
  • 1908 malt Franz Marc vor allem Tiere und strebt nach einer immer größeren Vereinfachung der Form. Farbe nutzt er immer stärker als selbständiges Ausdrucksmittel.
  • 1910 macht er die Bekanntschaft von August Macke und hat seine erste Einzelausstellung in der Münchner Galerie Brakl.
  • Bei einem Besuch der Ausstellung der „Neuen Künstlervereinigung“ kommt er mit Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Gabriele Münter in Kontakt.
  • Die Ablehnung eines Werks von Kandinsky sorgt für den Austritt einiger Künstler aus der Vereinigung. Im Dezember 1911 eröffnen Marc, Münter und Kandinsky die erste Ausstellung des „Blauen Reiter“ in der Galerie Thannhauser in München.
  • Herausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ und Ausstellung in der Berliner Galerie „Der Sturm“.
  • 1914 zieht Macke mit seiner Frau Maria nach Ried bei Benediktbeuren.

Kurz vor diese Zeit fällt auch die Entstehung des Werkes „Bison im Winter“ (Roter Bison). Das Werk ist auf 1913 datiert. Wenn Ihr wissen wollt, wie es im Leben und Schaffen des Künstlers weitergeht, seht Euch unser Portrait zu Franz Marc an.


Vorlage für unsere Farbpalette im Februar – Das Kunstwerk „Bison im Winter“

Vorlage für unsere Farbpalette: Klemmbrett mit Kunstpostkarte des Gemäldes "Bison im Winter" von Franz Marc
Die Vorlage für unsere Farbpalette: Franz Marcs „Bison im Winter“
Das Original: Ölgemälde auf Leinwand von 1913, 71 x 66 cm, ausgestellt im Kunstmuseum Basel.

Was sehen wir? Das Gemälde „Bison im Winter“ (Roter Bison) zeigt einen liegenden roten Bison in einer verschneiten Hügellandschaft. Neben dem zentral im Vordergrund abgebildeten Tier sehen wir einen schwarzen Bison im Mittelgrund auf der rechten Seite. Ein weiterer roter Bison steht im Hintergrund auf der linken Seite des Bildes. Außerdem türmen sich im Hintergrund dunkle grüne und blaue Flächen wie Berge oder dunkle Wälder auf. Drei vereinzelte rote Bäume durchbrechen die verschneite Landschaft. Ein krummer, gelb-grüner Baum steht direkt in der Bildmitte über dem roten Bison.

Was möchte uns Franz Marc mit dieser Tierdarstellung sagen? Wir versuchen es einmal in Kürze. Tiere sind für Marc in ihrem Wesen rein und symbolisieren die Schöpfung, den Einklang mit der Natur. Ihn reizen die Form und die Linien der Tierkörper. In seinen Werken geht er aber tiefer und versucht das Wesen der Tiere auszudrücken und sogar die Welt aus der Sicht der Tiere darzustellen.

Unter dem Begriff der „Animalisierung“ will Franz Marc die Kunst verlebendigen. Mit Abstraktion der Formen und schwingenden Linien der vereinfachten Tierkörper will er dieses Ziel erreichen. Der neue Stil wird typisch für seine Bilder: Klare Formen und natürliche Farben, die miteinander harmonieren.


Auch die Anzahl der Tiere hatte eine Bedeutung:

  • Ein Tier als Sinnbild und teils auch Verkörperung des Malers oder ihm nahestehender Personen
  • Zwei Tiere als Entsprechung des Paares
  • Drei Tiere als „heilige Drei“ oder „Mysterium der Familie“

Die Auswahl der Farben spielt bei Franz Marc eine große Rolle in der Deutung. Der Künstler nimmt die Farbenlehre von Goethe zum Anlass sich eine eigene Theorie der Farben anzueignen, die weit über das oberflächliche Wahrnehmen von Farbe hinausgeht und den Farben ein Wesen zuweist. Wir holen deshalb an dieser Stelle etwas weiter aus.


Die Farbpalette des Bildes „Bison im Winter“

Mit seiner Transformation von den Einflüssen der Pariser Impressionisten hin zum Expressionismus beginnt Franz Marc, jeder Farbe ihr eigenes Phänomen, ihre eigene Bedeutung zuzuordnen.

Mit August Macke tauscht er sich über Themen der Kunsttheorie aus und schreibt 1910 in einem Brief:

„Blau ist das männliche Prinzip, herb und geistig. Gelb ist das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich. Rot ist die Materie, brutal und schwer und stets die Farbe, die von den anderen beiden bekämpft und überwunden werden muss! Mischst Du zum Beispiel das ernste, geistige Blau mit Rot, dann steigerst Du das Blau bis zur unerträglichen Trauer, und das versöhnende Gelb, die Komplementärfarbe zu Violett, wird unerlässlich. (Das Weib als Trösterin, nicht als Liebende!). Mischst Du Rot und Gelb zu Orange, so gibst Du dem passiven und weiblichen Gelb eine „megärenhafte“ sinnliche Gewalt, dass das kühle, geistige Blau wiederum unerlässlich wird, der Mann, und zwar stellt sich das Blau sofort und automatisch neben Orange, die Farben lieben sich. Blau und Orange, ein durchaus festlicher Klang. Mischst Du aber Blau und Gelb zu Grün, so weckst Du Rot, die Materie, die „Erde“, zum Leben, aber hier fühle ich als Maler immer einen Unterschied: Mit Grün bringst Du das ewig materielle, brutale Rot nie ganz zur Ruhe … Dem Grün müssen stets noch einmal Blau (der Himmel) und Gelb (die Sonne) zu Hilfe kommen, um die Materie zum Schweigen zu bringen […]“

– Franz Marc in einem Brief an August Macke, Dezember 1910

Für seine Malerei verwendet Franz Marc Ölfarben, Aquarell, Gouache und Bleistift. „Bison im Winter“ ist ein auf Leinwand gemaltes Ölgemälde.

Zwei rote Bisons und ein schwarzer Bison in einer verschneiten Landschaft. Die dominanten Farben des Werks sind Rot, Schwarz und Weiß. Aber wie in Franz Marcs Verständnis von Farbe und der Beziehung der Farben zueinander, sind auch in diesem Werk die Akzente anderer Farben für die Wirkung mitentscheidend.

Dunkelgrüne und dunkelblaue Farbflächen türmen sich im Hintergrund auf und bilden mit ihrem starken Kontrast eine Bühne für den gelben Baum im Bildzentrum. Wir erinnern uns an die Worte Marcs: „…Mischst Du aber Blau und Gelb zu Grün, so weckst Du Rot, die Materie, die „Erde“, zum Leben…“ Wenn wir seiner Farb- und Formenphilosophie folgen steht der gelbgrüne Baum als Zeichen für eine lebendige und sinnliche Weiblichkeit über einem roten Bison als Sinnbild für eine brutale und schwere Materie.

Farbpalette aus dem Werk "Bison im Winter" von Franz Marc als Farbkästchen auf einem Klemmbrett mit der Postkarte des Motivs.
Farbpalette aus dem Werk „Bison im Winter“: Rot, Weiß, Dunkelblau, Chartreuse,
fast schwarzes Schiefergrau und ein heller Lilaton.

Ob dieses Bild ein Kommentar des Malers auf den unerfüllten Kinderwunsch seiner Frau Maria Marc ist, können und wollen wir hier nicht beurteilen. Das Gemälde beeindruckt uns mit seiner Kraft und der Beziehung von Formen und Farben untereinander sehr. Die genauen Beweggründe zu dem Bild – das laut dem Wunsch von Maria Marc damals im Familienbesitz bleiben sollte – müssen wir nicht offenlegen, um diese Kraft zu spüren.

Franz Marcs Farbpalette im Papiermix

Papiermix bunter Papiersorten nach einer Vorlage des Gemäldes "Bison im Winter" von Franz Marc.
Für die Farbpalette von Franz Marc haben wir Papiere der Sorten Colorplan, Tintoretto Ceylon
und Büttenpapier gemischt.

Die Kraft der Farben aus dem Gemälde „Bison im Winter“ haben wir für euch auf ein Moodboard verschiedener Papiersorten übertragen. Der Farbpalette von Franz Marc kommen wir über Papiere aus dem Papier Direkt Sortiment näher und geben Euch außerdem die passenden Farbwerte für die digitale Gestaltung. Für einen spannenden Papiermix haben wir hier verschiedene Papiersorten und Oberflächen kombiniert.


Papiermix farbiger Papiere passend zur Farbpalette von Franz Marc im Bild "Bison im Winter"
Unser Papiermix zur Farbpalette von Franz Marc: Colorplan Vermillion, Chartreuse, Emerald, Slate und Adriatic begleitet von Büttenkarten Lavender und Tintoretto Ceylon Kristallweiß.

Die Papiersorten Colorplan, Tintoretto Ceylon und Bütten lassen uns mit der Farbauswahl den Freiraum, die starken Farben zu betonen oder durch begleitende Akzente softer zu gestalten. In diesem Papiermix findet Ihr bestimmt Euren eigenen Farbfokus, um den Ihr herum eine stimmige Palette aufbauen könnt.


Unsere Papierauswahl zur Farbpalette von Franz Marc im Werk „Bison im Winter“:

Eine mögliche Auswahl aus diesen Papieren haben wir Euch zu einer Papeterie zusammengestellt. Wir haben dabei – passend zum Winterwetter – die kühleren Töne in den Fokus gestellt. Mit Washitape oder anderen Beigaben zur Papeterie könnt Ihr passende farbliche Akzente setzen und auch die kräftigeren Farben wieder ins Boot holen.


Papeterie zur Farbpalette von Franz Marc. Mit blauen und weißen Papieren, einer lavendelfarbenen Büttenkarte und Colorplan Briefumschlag.
Für die Papeterie zur Farbpalette von Franz Marc haben wir uns auf ein paar winterliche Töne fokussiert. Mit Accessoires wie Washitape könnt Ihr aber auch farbige Akzente setzen.

Franz Marc und August Macke. Mit den völlig unterschiedlichen Werken zweier Freunde haben wir diese Reihe über die Farbpaletten berühmter Künstler*innen begonnen. Gefällt euch die Serie? Dann schaut spätestens nächsten Monat wieder in den Blog. In den Farben der Farbpalette für den März spielt der Frühling eine Rolle, versprochen!


Quellen:

https://www.kunst-zeiten.de/Franz_Marc-Werk
https://artinwords.de/franz-marc/
https://www.spiegel.de/kultur/rot-bekaempft-a-c537786f-0002-0001-0000-000046171725
https://www.dhm.de/lemo/biografie/franz-marc
https://whoswho.de/bio/franz-marc.html


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