Der kreative Flow – Roberta Bergmann im Interview

Flatlay des Sachbuchs Kopf frei für den kreativen Flow von Roberta Bergmann

Sie hört sich immer so wahnsinnig leicht an, die Sache mit dem „kreativ sein“. Der kreative Flow, was ist das und wie kommt man da hin? Es ist gar nicht immer so einfach, seine Kreativität zu entfalten, wenn der Moment es erfordert. Das gilt gleichermaßen für alle Kreativschaffenden wie auch für alle, die semi-professionell oder privat gestalten. Besonders jetzt, wo vieles so anders ist, fehlen Impulse und Routinen, die uns helfen unsere Kreativität in Gang zu bringen.

Wir haben uns dazu mit der Autorin und Künstlerin Roberta Bergmann ausgetauscht. Roberta hat diesem Thema ein ganzes Buch gewidmet. Darin gibt sie Impulse, Tipps und zeigt Übungen, wie Ihr Projekte angehen könnt. Alles mit einem Ziel: Kopf frei für den kreativen Flow.


Produktbild vom Sachbuch "Kopf frei für den kreativen Flow" von Roberta Bergmann
„Kopf frei für den kreativen Flow“
Foto: Roberta Bergmann
Portrati der Autorin Roberta Bergmann hinter ihrem Sachbuch "Kopf frei für den kreativen Flow"
Foto: Roberta Bergmann

PD: Roberta, als Künstlerin und kreative Selbständige kennst Du diese Situation selbst am besten. Was war denn der Schlüsselmoment für Dich zu sagen: Ich schreibe jetzt ein Buch, mit dem man sich gegen kreative Flauten wappnen kann?

Roberta: Ich bin seit 2005 freiberuflich kreativ und verdiene damit mein Geld. Bereits nach ein paar Jahren Berufserfahrung ist es so, dass man anfängt, immer wieder die gleichen Wege zu beschreiten, wenn man nach kreativen Lösungen sucht. Man weiß, was man kann und dass es gut ankommt. Zum Teil wird man ja auch genau wegen dieser Ergebnisse beauftragt. Dennoch ist ein immer gleicher Lösungsansatz im kreativen Prozess ein Killer für Innovation und Neues.

Und da kommt mein Buch ins Spiel: Ich wollte eine Sammlung von kreativen Rezepten bzw. Kreativmethoden zusammenstellen, die Kreativschaffenden hilft, neue Wege im kreativen Prozess zu beschreiten, also eben nicht alles „wie immer“ auszuführen, sondern mal einen anderen Lösungsweg auszuprobieren, vielleicht anzuregen, neue Materialien und Werkzeuge zu nutzen und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Und ja, im Buch gibt es auch ein Kapitel, um Blockaden zu lösen, also wenn die Kreativität versiegt ist, man sich in einer Kreativblockade wiederfindet, aus der man nicht so einfach allein wieder herauskommt. Dazu habe ich 15-Erste- Hilfe-Tipps entwickelt, um die jeweilige Blockade und deren Ursache(n) zu erkennen und aufzulösen.


Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Buch "Kopf frei für den kreativen Flow". Roberta Bergmann gibt Tipps für das Lösen von Blockaden.
Detailfoto einer Illustration im Buch mit einem Zitat von Christiane Haas.
Über das Machen aus der Blockade kommen.
Das Ergebnis ist dabei erst einmal zweitrangig.

Alles in allem soll mein Sachbuch „Kopf frei für den kreativen Flow“ dabei helfen, innovative Lösungen zu entwickeln und vom eigenen kreativen Output neu überrascht zu werden.


Detailfoto einer Seite aus dem Buch "Kopf frei für den kreativen Flow" von Roberta Bergmann.Die Überschrift stellt die Frage: Was ist Kreativität?
Was ist Kreativität und wie sind die Prozesse, in denen wir kreativ wirken?
Dieser Frage geht die Autorin im Buch nach.

PD: Es ist ja immer vom kreativen Prozess die Rede. Das heißt, es gibt dabei gewisse Abläufe und Strukturen. Was kann Deiner Erfahrung nach so alles schief gehen in diesem Prozess? Wo bleibt man sozusagen häufig stecken oder biegt falsch ab?

Roberta: Der kreative Prozess gliedert sich, nach dem Psychologen und Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi in 5 Einzelschritte:

  • Vorbereitung
  • Inkubation
  • Erkenntnis
  • Bewertung
  • Ausarbeitung.

Wenn nur einer dieser Schritte gestört wird, kann der ganze Kreativprozess ins Stocken geraten oder komplett unterbrochen werden. Das fängt schon mit der Vorbereitungsphase an: Manche Menschen kommen über diese Phase nicht hinaus, einfach weil sie sich „zu Tode recherchieren“ oder Angst haben, anzufangen. Sowieso sind Ängste und Zweifel schlechte Begleiter im kreativen Flow, ja sie verhindern ihn sogar.

Wichtig: Bis Phase 3 sollte gar nicht bewertet werden was entsteht, sondern man sollte einfach erst einmal machen (mit aller Recherche und Vorbereitung im Hinterkopf). Vielleicht wie ein Kind, das spielt oder ein Forscher, der experimentiert.

Die Inkubationsphase anschließend ist wichtig, um alles sacken und das Unterbewusstsein für sich arbeiten zu lassen. Dem sollte sich eine Erkenntnis anschließen, die dann zu einem klaren Konzept bzw. einer weiteren Vorgehensweise führt.

Der Rest ist dann Fleißarbeit und immer wieder auch Bewertung und Abgleich mit der Realität bzw. der Realisierbarkeit. Ich glaube, in jeder Phase gibt es Potenzial steckenzubleiben. Am Anfang, dass man nicht anfangen kann oder über die erste Idee oder die Recherche nicht hinauskommt, vielleicht erhält man eine Erkenntnis, die sich im weiteren Prozess als falsch oder nicht ideal herausstellt oder man entwickelt ein falsches Ziel (z.B. zu hoch gesteckt, Scheitern vorprogrammiert, zu tief gesteckt, unterfordert und gelangweilt). Eventuell kommt einem auch die Angst, der Zweifel oder mangelndes Durchhaltevermögen dazwischen.

Kreativsein ist nicht immer spaßig, manchmal muss man auch kämpfen, weil eben nicht alles beim ersten Mal gelingt oder man nicht weiterkommt, die zündende Idee fehlt. Da muss man sich dann durchbeißen. Das ist vor allem in der Mitte eines großen Projektes oft der Fall. Da verlässt einen öfter mal die Energie, da die Anfangseuphorie dahin ist und das Ziel noch in weiter Ferne scheint. Andere können schwer ein Ende finden. Haben Angst vor dem finalen Erlebnis und dass es (ihnen) nicht genügen könnte oder sie wissen nicht, was noch zu tun ist, um es zu finalisieren.

Das Beste wäre, wenn man unvoreingenommen, offen und neugierig in den kreativen Prozess geht, wenn man sich auf die Aufgabe und Herausforderung freut, statt sich zu scheuen oder Angst zu haben, weil man eine neue Erfahrung machen wird. Und man sollte sich die ganze Zeit selbst motivieren durchzuhalten und es bis zum Ende durchzuziehen. Einfach an das schöne Gefühl denken, das eintreten wird, wenn man fertig ist und man Stolz erfüllt ist, dass man es geschafft hat.


Foto: Roberta Bergmann
Portrait der Autorin Roberta Bergmann.
Mit Spaß in den kreativen Flow!
Foto: Roberta Bergmann

PD: Dein Buch liefert dementsprechend eine ganz systematische Herangehensweise, sich mit der eigenen Kreativität und der Fähigkeit auf sie zugreifen zu können, auseinanderzusetzen. Es enthält viele Übungen, Impulse und Rezepte. Was war Dir beim Konzept dafür und der Auswahl der Übungen besonders wichtig?

Roberta: Mir war bei meinem Buchkonzept wichtig, dass es einen echten Mehrwert für den/die Leser*in gibt. Ich wollte, dass jede/r was Neues lernt, egal auf welchem Level er schon kreativ ist (ob Laie oder Profi), also z.B. eine neue Methode, neue Herangehensweisen an kreative Projekte mitnimmt und sich selbst bei Blockaden analysieren und helfen kann.

Ich möchte mit dem Buch motivieren und inspirieren, die ausgetretenen Wege der eigenen Kreativität zu verlassen und neue Methoden auszuprobieren, dadurch innovative Lösungen zu finden, überraschende Ideen und Visualisierungen aufs Papier zu bringen und ja, auch Neues zu lernen, aus dem man dann zukünftig weiter schöpfen kann. Im Buch zeige ich ganz viele Beispiele von Kreativen und ihrem Output und ich hoffe, da sind auch Werke und Konzepte dabei, die man als Leser*in noch nicht kennt, die man faszinierend findet und die man für das eigene kreative Schaffen adaptieren kann.


Detail einer Sachbuchseite. Ungewöhnliche Materialien werden auf kreative Art zu Instrumenten umgebaut.
Aus dem neu Denken von Formen und Materialien wird
ein spannender Remix gewohnter Gegenstände.

PD: Was würdest Du empfehlen, in welchen Abständen sollte man das Buch zur Hand nehmen und damit arbeiten?

Roberta: Man kann das Buch jeden Tag benutzen, z.B. ähnlich wie bei einem Tarot-Kartenspiel, wo man eine Tages- oder Wochenkarte zieht. So könnte man wahllos ein kreatives Rezept aufschlagen, davon gibt es 40 Stück im Buch, und sich sagen: „Das wende ich heute mal auf meine Aufgabenstellung, auf mein Kreativprojekt, an!“

Man kann das Buch aber auch chronologisch lesen – oder immer mal wieder eine Seite aufschlagen und querlesen. Beides funktioniert – und beides kann das eigene kreative Schaffen anregen und deutlich pushen.

Mein Buch kann Ideengeber, Inspiration, Motivation und Katalysator sein, um ins Machen zu kommen. Es wäre fast schade, wenn man es „nur“ liest, aber nicht mal die Rezepte praktisch für sich ausprobiert.

Ach ja, einen Kreativtypen-Test gibt es im Buch auch noch. Den kann man machen und herausfinden, welcher Typ man ist, wenn man Kreatives schafft!

(Anmerkung von der Redaktion: Zum Test gibt’s noch ein kleines Goodie am Ende des Artikels…)


Blick auf die Grafik, die eine Einschätzung zum eigenen Kreativtyp gibt.
Welcher Kreativtyp seid Ihr?
Mit dem Fragebogen aus dem Buch könnt Ihr eigene Werte und Euer Verhalten
im Kreativprozess reflektieren.

PD: Wenn wir uns nun folgende Situation vorstellen: Der Startschuss zu einem neuen Projekt ist gefallen, aber das Türchen im Kopf will nicht aufgehen, vom kreativen Flow keine Spur. Hast Du abschließend noch einen 1. Hilfe-Tipp für solche Momente?

Roberta: Ich habe stattdessen 10 Tipps, die man probieren könnte! Hier kommen sie:

  1. Nimm ein weißes Blatt und male, zeichne, schreibe irgend etwas darauf – einfach damit Du anfängst! Mach den ersten Strich, dann den zweiten usw. Du kannst auch eine Seite aufschreiben, was Dir im Kopf herum geht und wenn da nichts ist, schreib „nichts, nichts – mir fällt nichts ein usw.“. Im Machen löst sich eventuell die Blockade und Du kannst zur eigentlichen Aufgabe übergehen.
  2. Du schlägst ein Buch oder eine Zeitschrift auf und sichtest die Bilder und Überschriften nach Wörtern und Motiven, die für Deine Aufgabe hilfreich sein könnten. Versuche assoziativ aus diesen Wort-Bild-Aufgabe-Verknüpfungen einen Start für Dein Projekt zu fantasieren (kann auch verrückt sein).
  3. Google deine Fragestellung, dein Problem. Recherchiere, was es schon gibt! Lass Dich davon inspirieren.
  4. Verlasse den aktuellen Ort, setze Dich woanders hin, um kreativ sein zu können.
  5. Mach Dir entspannende oder motivierende und animierende Musik an.
  6. Finde eine Überschrift zu Deinem neuen Projekt. Die schreibst Du auf die Mitte eines großen Blatt Papiers. Ziehe davon sternenförmig in alle Richtungen Linien. Ans Ende der Linien zeichnest oder schreibst Du assoziativ, was Dir zu dieser Überschrift einfällt. Zensiere Dich dabei nicht. Das ist eine Mindmap und Du brainstormst gerade! Das ist der Anfang. Mit den Ergebnissen machst Du dann weiter.
  7. Quäle Dich nicht länger. Steh auf, koch Dir einen Tee oder Kaffee, räume auf oder geh spazieren. Mach einfach was anderes! Danach kehrst Du an den Arbeitsplatz zurück und schaust, ob Dir jetzt was einfällt (mit frischem Kopf). Fällt Dir immer noch nichts ein, lass es für heute gut sein! Fang dafür am nächsten Tag mit frischer Energie an und nimm Dir abends noch vor, es wirklich durchzuziehen. Vielleicht stellst Du Dir auch eine Belohnung in Aussicht, wenn Du dieses Tagesziel erreicht hast.
  8. Kauf mein Buch „Kopf frei für den kreativen Flow“! Dort findest Du 40 Kreativ-Methoden und 15 Erste-Hilfe-Tipps bei Kreativblockaden. Das sollte helfen, um ins Machen zu kommen 😉
  9. Triff eine Vereinbarung mit Dir selbst. Mach einen Zeitplan und verabrede, wann Du welchen Schritt des Projekts abschließen möchtest. Jetzt hast Du einen Plan und kannst anfangen! Das nennt sich Projektplanung.
  10. Und jetzt: Fang endlich an! Zähle bis drei und dann mach einfach mal! Eins, zwei, drei!

Details aus dem aufgeschlagenen Sachbuch Kopf frei für den kreativen Flow
Roberta Bergmann liefert Rezepte, die Blockaden lösen und neue Impulse
für den eigenen Weg zur Kreativität liefern.

Dem schließen wir uns an. Allerdings nicht ohne Kirsche auf dem Sahnehäubchen: Wenn Du nun direkt wissen möchtest, welcher Kreativtyp Du bist, gibt’s hier den Typ-Test als Freebie zum Download

Wir sagen an dieser Stelle: „Ganz lieben Dank, Roberta, für das Interview und Deine vielen wertvollen Tipps!“ Wir sind sicher, der kreative Flow wird Euch spätestens nach diesem Interview immer wieder begegnen.

Über Roberta Bergmann:

Portrait der Designerin und Autorin Roberta Bergmann
Autorin, Designerin und Künstlerin Roberta Bergmann
Foto: Roberta Bergmann

Roberta Bergmann ist seit 2005 freiberuflich als Künstlerin, Designerin, Autorin – kurz gesagt als Kreativschaffende tätig .
Ihr Wissen und Ihre Ideen rund um den kreativen Flow gibt Roberta nicht nur in diesem Buch weiter. Sie hat außerdem die Kreativ-Plattform „Der kreative Flow“ gegründet.
Es gibt einen Podcast, einen Blog und weiteren Input und Austausch über Youtube, Instagram sowie die gleichnamige Facebookgruppe.

Noch mehr könnt Ihr hier über Roberta Bergmann erfahren
Webseiten: robertabergmann.de // robertabergmann.art
Instagram: @robertabergmann

Wenn Ihr durch dieses Interview inspiriert seid und noch mehr kreative Künstler*innen kennenlernen wollt, schaut Euch doch einmal unsere anderen Interviews im Papier Direkt Blog an.



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2 thoughts on “Der kreative Flow – Roberta Bergmann im Interview

  1. Hallo und guten Morgen, das Interview hat mir sehr gut gefallen. Ich unterstütze auf jeden Fall Punkt 8 der Tipps von Roberta- kaufe dir das Buch, wenn du stecken bleibst. Ich schaue regelmäßig hinein. Ihre Vorschläge und “ Rezepte“ sind leicht umsetzbar.
    L.G.
    Simone

    • Hallo Simon, lieben Dank für Deinen netten Kommentar! Wir sind absolut Deiner Meinung. Der Wunsch nach einem kreativen Flowzustand sollte nicht noch mehr Druck machen. Robertas Tipps helfen kreativen Kopfmenschen da auch einfach mal ins Machen zu kommen – ohne, dass es schon das perfekte Ergebnis sein muss.
      Lieben Gruß
      Thomas

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