Collagenkunst-Kleinod @phelinaee – Elisabeth Stiegler im Interview

Collagenkunst von Elisabeth Stiegler - Titelbild zum Interview

Seit Beginn des Jahres reisen wir einmal quer durch das Mixed Media Universum. Dabei lieben wir es über den eigenen Tellerrand zu schauen. Ein kleines Juwel, von dem wir uns schon lange und gerne verzaubern lassen, ist der Account von @phelinaee. Untermalt von beschwingten Swing- und Bigband-Vibes entdeckt man dort hinreißende Collagenkunst in chicem Retro-Stil.

Hinter dem spannenden Konglomerat aus schwarz-weißem Nostalgie-Flair und kunterbunten Mixed Media Elementen steckt Elisabeth „Betty“ Stiegler. Wir freuen uns, dass sie mit uns in ihre Collagepraxis eingetaucht ist und sich die Zeit genommen hat, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Betty, erzähl‘ uns zuerst doch mal, wie Du zum Arbeiten mit Papier gekommen bist?

Irgendwann vor 10 Jahren hat meine Liebe zu Papier angefangen, wahrscheinlich auch schon früher. Ich habe immer schon schöne Kalenderblätter oder besondere Geschenkpapiere gesammelt und bunte Seiten aus Zeitschriften rausgerissen und sie nach Themen wie Wohnen und Reisen in Ordnern gesammelt.  Dann kam meine Liebe zur Faltkunst/Origami und für Origami brauchte ich ganz spezielles Papier. Auf einmal merkte ich, ich habe inzwischen so einen großen Fundus an Papier zusammengetragen, da kann man doch noch was anderes daraus machen…


Und wann sind die Themen Collagen und Mixed Media auf Deinem Radar aufgetaucht?

Ich machte mich auf die Suche, um zu schauen, was ich mit den Papieren anstellen kann und fand viele Inspirationen sowohl in den sozialen Medien, wie Instagram, Pinterest und Youtube, als auch in zahlreichen Büchern, die ich mir so nach und nach kaufte. Die hatten oft gar nichts mit Collage zu tun, viele sind einfach nur wunderschön zum Durchblättern und zum Ideen sammeln. Vor knapp 10 Jahren besuchte ich dann einen Workshop zum Thema Moodboard/Visionboard, da hörte ich auch das erste Mal von Mixed Media.

Ich arbeitete zuhause noch an weiteren Visionsbords und da merkte ich schon, das sind ja eigentlich Collagen, die mir zeigen, was mir gefällt und worauf ich Lust habe. Ende 2018 fand ich einen Aufruf auf Instagram, täglich einen Monat lang eine Collage zu posten. Irgendwie hat es mich gereizt und ich habe einfach mitgemacht. Seitdem bin ich im Collageflow.


Wie gehst Du beim Collagieren vor?

Ich arbeite ausschließlich analog, d. h. Papier schneiden, reißen, bearbeiten und wieder mit Kleber zusammensetzen. Manchmal besteht eine Collage nur aus 3 – 4 Papierteilen, dann wieder ergeben viele Schnipsel eine Collage. Meine Collagen entstehen meist sehr spontan. Einfach anfangen, einfach machen ist mein Motto. Sehr wichtig sind für mich die Farben und die Farbzusammen-stellung. Oft ist mir das eigentliche Motiv gar nicht so wichtig und was dann entsteht weiß ich am Anfang auch nicht.


Und wo und wie kommen Mixed Media Elemente ins Spiel?

Ich liebe es zum Beispiel, in selbstgebunden Heften zu arbeiten. Da bearbeite ich in loser Reihenfolge die Seiten, also meist nicht von vorne nach hinten, sondern eher durcheinander. Die Seiten sind bei mir nicht blanko, sondern ich nehme welche, die schon vorbearbeitet sind mit Farbe oder Drucken – und schon sind wir im Mixed Media Universum angekommen! Ich nehme gerne Papierbögen für meine Seiten, auf denen ich Farbreste an Pinseln und Farbwalzen ausgestrichen habe. Das Farbdurcheinander ergibt sehr schöne Muster, die oft den Hintergrund meiner Collagen bilden.

Welche Mixed Media Materialien verwendest Du noch gern?

Ich kombiniere Papier aus neuen und alten Magazinen mit bearbeiteten Papieren, z. B. selbst bedrucktem Papier. Oft kommen dann noch Stoff und Faden oder Teile von Verpackungsmaterial oder Kunststoffen hinzu. Es gibt so viele Möglichkeiten, die sich wirklich oft erst mit dem Tun entwickeln.

Es ist auch gar nicht schwer, Mixed Media Collagenpapiere selbst zu machen. Am einfachsten sind verschiedene Drucktechniken wie die Monotypie,  man kann sich Stempel selber schnitzen oder einfach mit Pinsel und Farbe arbeiten.

Eure Papiere habe ich zum Beispiel mit der Gelli Plate (Gelatine-Platte) bedruckt und auf den Bögen mit Acrylfarbe im Mark Making Stil gearbeitet. Am Anfang (und manchmal auch jetzt noch) fällt es schwer, solche bedruckten Papiere zu zerreißen oder zu zerschneiden. Aber, nur dadurch kann etwas Neues entstehen…


Wie findest Du die Themen für Deine Collagen?

Inzwischen beteilige ich mich an einigen Aktionen, die von Collage- oder Mixed Media Künstler:innen initiiert werden. Dort werden oft Themen vorgegeben. Das ist einerseits gut, andererseits schränkt es mich auch in meiner Kreativität manchmal ein. Doch auch hier gilt: Durch Herausforderungen kann man oft etwas Neues lernen!


Und wie gehst Du dann praktisch vor?

Wenn das Thema bekannt ist, blättere ich verschiedene alte oder neue Zeitschriften, Bücher und meinen „Collagenschnipselbestand“ durch, reiße Seiten heraus, lege alles auf einen Haufen und lasse das ganze schon mal wirken. Bereits durch das Übereinanderlegen sehe ich schöne Farbkombinationen, die mir gefallen und die ich dann weiterverfolge. Die Farbzusammenstellung ist mir meist sogar noch wichtiger als das Thema.

Ich nehme dann einfach drei oder vier Teile und platziere sie auf dem Tisch oder gleich auf dem Träger, das kann ein Blatt Papier sein oder leichter Karton. An dieser Stelle sollte man sich nicht schon im Detail verlieren, sondern einfach nicht nachdenken. Bei einer Mixed Media Collage ist der Anfang meist noch leichter gemacht. Wenn ich schon einen halbwegs bearbeiteten Hintergrund habe, ist das mein Anknüpfungspunkt. Auch wenn der Hintergrund später zum Teil wieder mit Collagenmaterial abgedeckt wird.

Wenn es dann ans Kleben geht, kann es natürlich passieren, dass man die ganze Collage wieder auflösen muss. Entweder gehe ich das Risiko ein und merke mir die Anordnung der Papierteile oder:
Tipp – ich mache ein schnelles Foto. Aber auch damit kann und darf es passieren, dass die Collage am Ende ein bisschen anders aussieht wie gedacht.

Jetzt kommt der spannendste Teil und das Wunderbare an Mixed Media: Mit Stiften oder anderer Farbe kann ich die entstandene Collage nachbearbeiten und/oder auch einfach nochmal darüber kleben. Genauso kann man Teile auch wieder entfernen. Wenn der Kleber noch nicht zu fest war, dann ist das gar kein Problem. Falls doch, gibt es interessante Spuren, die dann entweder gut zur Collage passen oder man setzt nochmals einen Akzent. Dazu klebe ich dann gerne Buchstaben oder Schriftteile aus Zeitungen oder Büchern obenauf oder einfach einen farbigen Klebepunkt.


Du erwähntest Deinen „Collagenschnipselbestand“. 🙂 Woraus hast Du diesen Fundus zusammengestellt? Welche Materialquellen empfiehlst Du für Collagen?

Im Prinzip nutze ich jede Art von Papier, ob (selbst) bedruckt oder unbedruckt. Das kann z. B. sein:

  • Alte Modemagazine – Die sind mir oft am liebsten und ich finde sie auf Flohmärkten oder auf den bekannten Online Plattformen.
  • Bücher, z. B. mit Tier und Pflanzen-zeichnungen oder Illustrationen. Die finde ich in öffentlichen Bücherschränken. Auch Atlanten und Lexika sind sehr gutes Collagenmaterial, außerdem nutze ich Bildbände von interessanten Reisezielen wie New York und London aus vergangenen Zeiten.
  • Antiquariate sind echte Fundgruben. Im Nachhinein tat es mir sogar oft leid, dass ich diese schönen Bücher zerschnitten habe und kaufte sie mir antiquarisch wieder nach.
  • Zeitungen, die in Cafés ausliegen, wegen der Schriftzüge und Buchstaben.
  • Aktuelle Mode- oder Lifestylemagazine
  • Romane, die ich nicht mehr lese.
  • Geschenkpapiere
  • Verpackungstüten mit schönen Aufdrucken
  • Gebrauchtes Seidenpapier, Butterbrotpapier und andere Ephemera
Mixed Media Collage mit Obstnetz von Betty Stiegler
  • Extra-Tipp jenseits der Papierwelt:
    Obstnetze eigen sich wunderbar für Mixed Media Collagen!

Gut zu wissen:
Ich liebe es, alte Magazine und Bücher auf Flohmärkten zu kaufen und hatte dort manchmal Glück wirklich ausgefallene Magazine aus den 1950er und 1960er Jahren zu finden, die nicht „riechen“. Das ist etwas, was man im Hinterkopf haben muss. Das Problem alter Papiersachen ist manchmal der Geruch, welcher sich oft auch erst zuhause bemerkbar macht. 😉 Deshalb musste ich mich auch schon von einigen Fundstücken wieder trennen, so leid es mir auch tut.


Welches Format empfiehlst Du für (die ersten) Collagen?

Ich denke, da gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Auf Kleinformaten in Spielkartengröße bis zu DIN A4 kann man in jedem Fall gut arbeiten. Ein sehr gutes Format ist auch die Postkartengröße oder ein quadratisches Format von 10 x 10 cm bis 15 x 15 cm.

Ein beliebtes Format ist bei mir auch die Größe von ATC Karten. Mit dieser Größe kann man sehr gut in Serie gehen. ATC steht für Artist Trading Cards. Das sind kleine Karten im Format 6,4 x 8,9 cm. Sie werden oft von Künstler:innen in kleinen Auflagen gefertigt und untereinander ausgetauscht. Das hat mich sehr fasziniert und hat mir die Gelegenheit geboten, mit anderen Collagenkünstler:innen in Verbindung zu kommen.


Wie kann man mit anderen Collagebegeisterten in den Austausch kommen?

Ich beteilige mich regelmäßig an verschiedenen Aktionen. Jedes Jahr im Mai findet zum Beispiel der World Collage Day statt und es gibt noch viele weitere – mal größere, mal kleinere – Mitmachaktionen für Collagekünstler:innen. Ein großer Fundus ist natürlich auch Instagram oder der direkte Austausch mit bereits bekannten Künstlern. Hierzu habe ich auch gelernt einfach auf Ausstellungen zu gehen, Flyer mitzunehmen und an Workshops teilzunehmen.

Ganz herzlichen Dank Betty für die vielen spannenden Einblicke, das Zeigen Deiner Werke und die inspirierenden Collagen mit unseren Papieren!

Über Betty

Die Collagenkünstlerin Elisabeth Stiegler im Portrait

Über die Faltkunst hat Elisabeth Stiegler vor 10 Jahren ihre Liebe zu Papier entdeckt. Die Teilnahme an einem Moodboard-Workshop war für sie der Einstieg in die Welt der Collagen, die sie heute oft und gerne um Mixed Media Elemente ergänzt.

Besondere Inspiration findet sie in Magazinen und anderen Drucksachen aus den 1950er und 1960er Jahren, wodurch viele ihrer Werke ein zauberhaftes nostalgisches Flair versprühen.

Ihre Collagenkunst könnt Ihr auf ihrem Instagram-Account @phelinaee bewundern.
Aber Achtung: Jazz-/Swing-/Bigband-Ohrwürmer gibt’s gratis dazu. 🙂

Copyright-Hinweis: Alle Bilder in diesem Artikel © Elisabeth Stiegler / Papier Direkt

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